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Gnade
sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn
Jesus Christus. Amen.
Die Geschichten
von Moses Gottesbegegnung auf dem Sinai und Jesu Verwandlung
auf dem Berg haben nichts mit unseren eigenen Gipfelerfahrungen
zu tun, liebe Gemeinde. Da muss ich Sie leider enttäuschen.
Zwar habe ich die Geschichte so seit mehreren Jahren ausgelegt
gehört, - what are your latest mountain top experiences?
- aber oft wird dann die Metapher von Gipfel und Bergbezwingung
und dagegen das Tal mit Alltag und Arbeit und Leid sehr schnell
sehr billig und trivial.
Selbstverständlich
haben wir Erfahrungen von Glück, von Seligkeit, vom Einssein
mit Gott und der Welt nach einer großen Anstrengung,
wenn etwas hart erarbeitet wurde. Das Gefühl von “Hier
ist gut sein”, wie Petrus es hatte, ist legitim. Aber
nicht jede Gipfelbezwingung bringt das erhoffte Glück.
Der Zustand des “Hier ist gut sein” tritt nicht
einfach ein, läßt sich nicht herstellen, gar erzwingen.
Ob gelungen oder nicht gelungen - alle unsere Gipfelerfahrungen,
in welchem Bereich auch immer, sind teil unserer irdischen
Erfahrung, Bestätigung unserer Kreatürlichkeit.
Sie sind ein guter, von Gott geschenkter Teil unserer Kreatürlichkeit.
Von Gott erfahren wir auf dem Gipfel nicht mehr als überall
sonst, wo wir im Leben hingestellt sind.
In der
Geschichte von der Vision/ der Erscheinung Jesu als eine Lichtgestalt,
die Petrus und seine Freunde hatten, geht es um etwas anderes.
Es geht um Autorität. Mit welcher Autorität kommt
eigentlich Jesus zu uns?
Im ersten
Jahrhundert, zur Zeit Jesu und zur Zeit der matthäischen
Gemeinde geht es in Palästina um die Frage, wann endlich
und durch wen die Fremdherrschaft beendet wird, unter der
Israel seit ca. 600 Jahren, seit dem babylonischen Exil lebt
- nach den Babyloniern die Perser, dann die Griechen, jetzt
die Römer.
Es gibt verschiedene Antworten. Es gibt verschiedene messianische
Gestalten.
Nun hat Jesus ein Königreich angekündigt, das radikal
anders ist als alle Königreiche bisher. Er schöpft
dabei tief aus der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Er verbindet
dieses neue Königreich, diese neue Form der Gottesherrschaft
mit seiner eigenen Person. In ihm ist es da, hat es schon
angefangen.
Er zeigt
es und er spricht darüber: Jesus heilt Menschen von ihren
Gebrechen. Er erzählt Geschichten von diesem Reich, das
unterschiedliche Namen haben kann: Himmelreich, Königreich,
Herrschaft Gottes, Reich Gottes. Dieses Reich ist wie eine
kostbare Perle, ein Schatz im Acker vergraben, wie ein Baum,
in dem die Vögel zu Hause sind. In diesem Reich kriegen
alle den gleichen Lohn, egal wie lange sie gearbeitet haben.
Schulden werden vergeben. Alle kriegen genug zu essen. Und
wo Jesus auftaucht, gibt es häufig ein Fest.
Jesus
setzt sich hin auf einem Berg und lehrt die Menschen, wie
es in diesem Reich Gottes zugehen soll, welches er repräsentiert
und bis in seinen eigenen Tod verkörpert. Er spricht
selig, die sich um Gerechtigkeit kümmern, die barmherzig
sind, die mit ihrem Leben und ihren Taten etwas von Gott in
dieser Welt sehen lassen. Er gibt ihnen Gebote, besonders,
daß sie einander vergeben sollen und daß sie ihre
Feinde lieben sollen.
So geht
es in diesem Reich zu, das wie eine kostbare Perle ist, wie
ein wertvoller Schatz, wie ein herrlicher Baum. Hier ist gut
sein. Wir wissen das, weil wir es selbst schon manchmal erlebt
haben. Die Anfänge des Reiches Gottes sind uns nicht
unbekannt.
Woher
aber wissen wir, dass Jesu Botschaft von der Herrschaft Gottes
glaubwürdig ist? Was verleiht seiner Verkündigung
Autorität? Hier gibt die Geschichte von der Verklärung
Christi eine Antwort, die Geschichte von seiner Verwandlung
in eine Lichtgestalt neben Mose und Elia.
Die Menschen
im ersten Jahrhundert hatten eine Symbolsprache, die ihnen
sehr geläufig war und der sie vertrauten. Visionen, himmlische
Stimmen, Anspielung auf alte Traditionen und Erinnerungen
waren alle Teil davon. Für Matthäus spielt zudem
der Berg als Ort der Gottesbegegnung eine wichtige Rolle:
Jesus lehrt auf dem Berg (die Bergpredigt). Zuvor hatte der
Teufel ihn auf der Spitze eines Berges versucht. Und ganz
am Ende erscheint der Auferstandene seinen Jüngern auf
einem Berg in Galiläa als der, dem alle Macht im Himmel
und auf Erden gegeben ist und von wo er die Jünger in
alle Welt schickt, damit sich die Botschaft vom Reich Gottes
in alle Welt verbreitet.
Die Geschichte
von der Verklärung Jesu ist bis zum Rand gefüllt
mit symbolischer Sprache, mit Anspielungen, Verbindungen,
die den damaligen Hörern und Hörerinnen klar waren
und Jesu Worte und Erscheinen unzweideutig als Offenbarung
des Willens Gottes hinstellten.
Matthäus stellt z.B. Jesus mit Moses und Elia auf eine
Stufe. Beide, Mose und Elia wurden z.Zt. Jesu verehrt als
Autoritäten, mit denen die Menschen ihre Hoffnungen auf
Erlösung verbanden. Sie wurden verehrt als Propheten,
aber mehr noch als solche, die ohne zu sterben in den Himmel
aufgenommen worden waren (auch wenn dies bei Moses nicht der
Fall war; jedoch hat er ja die Begegnung mit Gott in der feurigen
Wolke überlebt). Jesus steht in der Erscheinung auf einer
Stufe mit Mose und Elia; sie alle stehen in direkter Kommunikation
mit Gott. Und dann hören Petrus und Jakobus und Johannes
die himmlische Stimme, die sagt: Dies ist mein lieber Sohn,
an dem ich Wohlgefallen habe. Den sollt ihr hören. Unmissverständlich
wird hier dem Verkündiger dieses so anderen Königreiches
göttliche Autorität zugeschrieben. In der Taufe
war diese Stimme mit den gleichen Worten schon einmal gehört
worden und wird jetzt bestätigt. Und hinzugefügt:
Den sollt ihr hören.
Kein Wunder, dass Petrus findet, hier ist gut sein, bei Moses
und Elia und Jesus.
Noch aber ist die Zeit der Erfüllung nicht eingetreten.
Noch ist es nur eine Vision und Petrus kann keine Zelte bauen.
Denn während oben auf dem Berg in der Vision die Zeit
stehen zu bleiben scheint und in diesem flüchtigen Moment
alles, was wir sonst fein säuberlich in Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft aufteilen, zusammenzuschnurren scheint
und gleichzeitig wird, während all dessen geht die Welt
um sie herum weiter ihren gewohnten Gang. Unten im Tal mühen
sich die anderen Jünger damit ab, einen epileptischen
Jungen zu heilen und es klappt nicht, es gelingt ihnen nicht.
Jesus muß erst kommen. Es ist noch nicht Zeit für
die ganze Erfüllung. Die Kreatur, die Schöpfung
ist noch nicht erlöst, unsere Körper, unsere Seelen
sind noch nicht geheilt. Auch unsere Beziehungen sind noch
nicht geheilt und so, wie wir sie uns wünschen. Ein ganzes
Kapitel wird in Matthäus 18 damit verbracht, der Gemeinde
Regeln für schwieriges Miteinander an die Hand zu geben.
Auch
in anderer Hinsicht ist es noch nicht Zeit für die ganze
Erfüllung. Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem, wo er
sterben wird. Einmal hat er den Jüngern sein Leiden und
Sterben schon angekündigt, gerade bevor sie den Berg
bestiegen. Zwei weitere Male müssen die Jünger ihn
dies noch sagen hören, bevor es dann tatsächlich
geschieht. Er steht für sein neues, anderes Königreich
ein, sogar mit der Hingabe seines Lebens. Er wird aufstehen
von den Toten und seine Jünger auf dem Berg in Galiläa
wiedertreffen, um sie von dort in alle Welt zu schicken.
Bevor
die Passionszeit am Mittwoch beginnt, liebe Gemeinde, wissen
wir, wer Jesus ist und woher seine Autorität kommt: vom
lebendigen Gott, der sein Volk nicht allein lässt, sondern
Boten schickt, sogar seinen Sohn, der uns Gottes Willen nahe
bringt. Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen
habe. Ihn sollt ihr hören.
Jedes
Zeitalter, vielleicht sogar jede Generation hat ihre eigenen
Geschichten, Mythen, Weisen, zu erzählen, wie Gottes
Wort und Wille Autorität haben, gehört werden. Es
liegt an uns zu prüfen, ob der Gott und der Jesus, von
dem sie erzählen, dieselben sind wie vor 2000 Jahren.
Es liegt an uns zu prüfen, ob in dem Augenblick, in dem
wir wie die drei Jünger in der Geschichte in Gottesfurcht
auf die Knie fallen und die Wolke sich lichtet, Jesus zu uns
kommt und uns berührt, mit den Worten: Steht auf und
fürchtet Euch nicht.
Steht
auf und fürchtet Euch nicht, liebe Gemeinde, geht in
die Welt und dient dem Reich Gottes in eurer Gott geschenkten
Kreatürlichkeit.
Und der Friede des Herrn, der über alle Vernunft ist,
bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
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