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Gnade sei mit euch
und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.
Amen.
Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth. Alle
Lande sind seiner Ehre voll.
Die Kirche hat sich nach langem Zögern entschlossen,
der Heiligen Dreifaltigkeit ein eigenes Fest zu geben,
nur im Westen allerdings, die Ostkirche kennt kein eigenes
Trinitatisfest. Entwickelt wahrscheinlich in der liturgischen
Frömmigkeit benediktinischer Klöster ist es ein
Ideenfest. Anders als Weihnachten, Ostern und Pfingsten
feiern wir heute kein Ereignis in der Geschichte Gottes
mit der Kirche, sondern setzen sozusagen einen Schlusspunkt
unter die drei großen Heilsereignisse unseres Glaubens:
nach Weihnachten - dem Werk des Vaters, nach Ostern - dem
Werk des Sohnes, nach Pfingsten - dem Werk des Heiligen
Geistes.
Der Sonntag Trinitatis lädt uns ein, uns an diesen
Gott, der Mensch wurde, der den Tod überwand und immer
noch bei uns ist, zu erinnern und dem Geheimnis der Einheit
Gottes in der Dreiheit zu begegnen. Wir sind eingeladen,
unser Herz der Tiefe Gottes zu öffnen, unsere Ohren
Unerhörtes hören zu lassen, unsere Augen Ungeschautes
sehen zu lassen.
Dieses Geheimnis, das wir mühsam mit Dreifaltigkeit,
Drei-einigkeit, oder Trinität bezeichnen, hat schon
die Kirchenväter und auch Martin Luther vor Rätsel
gestellt:
Bei Augustin lesen wir: “Licht ist der Vater, Licht
der Sohn, Licht der Heilige Geist, und doch sind sie zusammen
nicht drei Lichter, sondern ein Licht.”
Eine wunderbare Beschreibung der Gottheit, einleuchtend
und konkret, gleichzeitig wird uns deutlich, wie begrenzt
unsere eigene Wahrnehmung nur sein kann: wenn wir drei
Lichter sehen, sehen wir eben immer noch nur drei Lichter.
Und Martin Luther teilt uns folgende Einsicht mit:
“Man begeht heute das Fest der heiligen Dreifaltigkeit,
welches wir auch ein wenig müssen rühmen, dass
wirs nicht umsonst feiern; wiewohl man diesen Namen ‘Dreifaltigkeit’ nirgends
findet in der heiligen Schrift, sondern die Menschen haben
ihn erdacht und erfunden [...]. Dieses Wort bedeutet aber
nun, dass Gott dreifaltig ist in den Personen. Das ist nun
ein himmlisch Ding, das die Welt nicht verstehen kann [...].
Die Hohen Schulen haben mancherlei distinctiones, Träume
und Erdichtungen erfunden, damit sie haben wollen anzeigen
die heilige Dreifaltigkeit, und sind darüber zu Narren
geworden.” Und er schließt: “Ich weiß wohl,
dass Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist sind; aber wie sie
Ein Ding sind, das weiß ich nicht und soll es auch
nicht wissen.”
(Zitate aus GPM 53/3, 1999, S. 289)
Die Moderne freilich hat sich nicht daran gestört,
etwas nicht wissen zu sollen, und hat sich wissensdurstig
an die Erforschung aller Geheimnisse auf Erden und im Himmel
gemacht. Für viele Fortschritte, die uns unser tägliches
Leben erleichtern, sind wir sehr dankbar und singen unserem
Schöpfer Lob und Preis. Das Geheimnis Gottes haben
wir bisher aber noch nicht entschlüsseln können.
Viele haben sich von Gott und seinem unfassbaren, dreifaltigen
Wesen abgewandt; in vielen Bereichen des Lebens ist die
Dimension des Heiligen verloren gegangen. Viele Menschen
betrachten das Leben als eine rein profane Angelegenheit.
Andere haben sich Gott zu einem moralischen Übervater
zurechtgelegt, der so ist, wie man ihn gerne haben möchte
und vor allem geheimnislos.
Es ist eigentlich im Sinne unserer Lesungen “unerhört” und “ungesehen”,
dass es noch immer Leute gibt, die dem Geheimnis Gottes
Vertrauen schenken, die der Heiligkeit und Andersartigkeit
Gottes ihre Herzen öffnen, sich trauen, im Raum der
Heiligkeit zu verweilen, auszuhalten, das Unfassbare bestaunen.
Jesaja hält seine Vision Gottes im Tempel aus, aber
er hat Angst zu sterben, weil der Herr Zebaoth, der Herrn
der himmlischen Heere im Raum ist, sein Saum füllt
den Tempel. Jesaja wird sich plötzlich seiner eigenen
Unreinheit, seiner Unvorbereitetheit angesichts der Offenbarung
des heiligen, geheimnisvollen Gottes bewusst. Was machen
Menschen, um der Gegenwart standhalten zu können und
nicht auf der Stelle zu sterben? Wie können auch wir
uns in Gottes Gegenwart begeben?
Ein Ritual rettet ihn, oder besser, versetzt ihn in den
Zustand, in dem das Licht, das Gott nach Augustin ist,
ihn nicht wie ein Feuer vernichtet. Eines der Wesen, ein
Seraph, berührt seine Lippen mit glühenden Kohlen
und nimmt so alle Schuld von ihm. Das Ritual der Sündenreinigung
gibt Jesaja den Schutz, den er braucht, das Symbol des
Feuers, des Lichtes schützt ihn vor dem Abgrund, in
den jeder unweigerlich fällt, der dem lebendigen Gott
begegnet.
Sind nicht die meisten von uns, die protestantisch aufgewachsen
sind, aufgewachsen in Kirchen ohne Sinnbilder, ohne eine
ewige Flamme z. B., das göttliche Licht am heiligen
Ort, das uns angezeigt hätte, wem wir uns nähern
und wer uns umgibt? Wie sollen wir unsern Kindern oder
neuen Christen wenigstens ein Abbild davon geben, dass
der Vater “Licht ist ... , Licht der Sohn, Licht
der Heilige Geist, und doch sind sie zusammen nicht drei
Lichter, sondern ein Licht.”?
Im Laufe unserer Geschichte, besonders in Deutschland,
sind viele unserer religiösen Symbole und Rituale
konfessionalisiert worden und damit instrumentalisiert.
Die “ewige Flamme” ist zu einem ausschließlich
katholischen Gegenstand gemacht worden. Auch die Bekreuzigung
ist lange als etwas verstanden worden, das nur katholische
Christen machen. Langsam gewinnen wir das Bekreuzigen wieder
und lernen das Glück zu spüren, das einen durchlaufen
kann, wenn man sich mit dem Zeichen des Kreuzes an die
eigene Taufe erinnert, an das neue Leben, das dieser geheimnisvolle
drei-einige Gott uns spendet. Ein machtvoller Trost, der
uns mitten im Leben an die Heiligkeit des Lebens erinnert.
Und ein mächtiges Zeichen, das Kreuz mit dem Vater
und dem Sohn und dem Heiligen Geist, das man überall
mit hinnehmen kann, auch dorthin, wo kein Taufbecken ist,
ins eigene Gebet, ans Krankenbett, in den Abschied von
lieben Menschen, in den Segen für Reisende, an das
Bett schlafender Kinder und Jugendlicher. Mit etwas Mühe
können wir Rituale wieder lernen. Sie helfen uns,
uns dem Geheimnis der Gottheit zu nähern und zugleich
schützen sie uns davor, im Licht Gottes nicht sofort
wie in einem Feuer zu vergehen.
Wenn wir an diesem Sonntag über die heilige Dreifaltigkeit
Gottes nachdenken und wie man sich Gottes Heiligkeit stellen
kann, passt es so gar nicht zu dem anderen Anlass, der
uns Deutsche und Amerikaner am 6. Juni auch beschäftigt.
Heute ist der 60. Jahrestag des D-Day, des Tages der Invasion
der westlichen Alliierten in der Normandie. Als Deutsche
erinnern wir uns dankbar an diesen Tag, der schließlich
das Ende des Zweien Weltkrieges herbeiführte. Gleichzeitig
trauern wir um das verlorene Leben auf allen Seiten, die
wüsten Städte, die leeren Häuser, und wir
erkennen vor Gott, dessen Saum im Tempel genügt, um
uns seine Heiligkeit vor Augen zu führen, unsere eigene
Unheiligkeit, unsere Fehler und Verführung. Umso freudiger
begrüßen wir als Zeichen der Versöhnung
die erste Einladung an einen deutschen Bundeskanzler, an
den Feierlichkeiten in der Normandie teilzunehmen. Offenbar
wird der Bundesrepublik heute zugetraut, positiv mit solch
einer Geste umzugehen, die zweifellos auch ambivalente
Gefühle auslöst.
Kriege bringen immer das Unheilige, das Profane in uns
Menschen hervor und stehen damit immer im Kontrast zum
Willen Gottes, den wir ja nicht nur als Vater, Sohn und
Heiligen Geist kennen, sondern auch als Schöpfer,
Versöhner und Erlöser. Es ist dabei ganz gleich,
ob ein Krieg zu Recht oder zu Unrecht geführt wird,
worüber man sich in jedem Einzelfall gern und lange
streiten kann und muss.
“Licht ist der Vater, Licht der Sohn, Licht der
Heilige Geist, und doch sind sie zusammen nicht drei Lichter,
sondern ein Licht.”
Das Geheimnis göttlicher Heiligkeit werden wir nie
ganz entschlüsseln können. Wir sehen und hoffen
jedoch, dass Gott die Welt immer wieder mit seinem Glanz
füllt, dass Gott, da, wo heiliger Raum geöffnet
ist, sich auch zeigt und zu uns kommt. Dank sei unserem
Herrn Jesus Christus, der uns den Vater gezeigt hat und
den Heiligen Geist zu uns schickt, den Geist der Wahrheit,
der kommen wird, und uns in alle Wahrheit leiten wird.
Amen.
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