Konfirmationssprüche:
Julian Heinrich: Psalm 91, 11-12
11 Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten
auf allen deinen Wegen,
12 dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht
an einen Stein stoßest.
Rami Ollikkala: Psalm 145, 8-9
8 Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von
großer Güte.
9 Der Herr ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner
Werke.
Gnade sei mit euch Friede von Gott, unserem Vater, und unserem
Herrn Jesus Christus. Amen.
Es ist der Gemeinde Christ the King Lutheran Church heute
eine besondere Freude, diesen Tag mit den Familien Heinrich
und Ollikkala mit Julian und Rami zu erleben und in diesem
Gottesdienst Eure Konfirmation zu feiern. Diese Gemeinde
hat es sich seit vielen Jahren zum Anliegen gemacht, in der
Musik, in der Verkündigung des Wortes, und im seelsorgerlichen
Dienst Menschen deutschsprachiger Herkunft hier in Houston
die Botschaft Gottes in ihrer Muttersprache weiterzugeben.
Ihr beiden, Rami und Julian, seid unser erster deutscher
Konfirmandenjahrgang.
Wir stehen am Ende eines Jahres Konfirmandenunterrichts,
in dem wir uns mit den wichtigsten Grundpfeilern des christlichen
Glaubens und der biblischen Tradition beschäftigt haben.
Die beiden haben tapfer den gesamten Psalter von Psalm 1
bis Psalm 150 durchgelesen (zumeist auf Englisch, glaube
ich?), Psalm 23 auswendig gelernt und das Glaubensbekenntnis
auf Englisch und Deutsch auswendig gelernt.
Es ist eine deutsche kirchliche Tradition, zu den wichtigen
Anlässen im Leben einen Spruch, zumeist einen Bibelvers
mitzugeben. So bekommt man zur Taufe, zur Konfirmation und
zur Hochzeit ein Leitwort, ein Motto, das die Person begleitet
und Quelle von Trost und Zuspruch sein möchte.
Rami und Julian haben als Konfirmationsspruch jeder einen
Vers aus den Psalmen ausgewählt, was nicht überraschen
sollte nach so ausführlicher Psalmenlektüre.
Da Ihr nur zwei Konfirmanden seid, möchte ich sie beide
vorlesen:
Für Rami:
Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von
großer Güte.
Der Herr ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner
Werke. Psalm 145, 8-9
Für Julian:
Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten
auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht
an einen Stein stoßest. Psalm 91, 11-12
Beiden Sprüchen ist ein tiefer Ausdruck von Vertrauen
gemeinsam. Vertrauen in die Güte Gottes, in Gottes Barmherzigkeit.
Vertrauen darin, dass Gott sich zu seiner Schöpfung
bekennt, sie nicht loslässt, sondern behütet und
beschützt. Unser Gebet ist, dass die Engel Gottes Kinder
auf den Händen tragen sollen.
Dies ist auch, was Psalm 23 für uns bedeutet - Vertrauen
in Gott, der die, die sich zu ihm bekennen, begleitet, ihnen
den Weg weist und Trost bietet in den finsteren Tälern
und Zeiten unseres Lebens. Würde auch das Symbol des
Hirten und seiner Schafe mehr zu uns sprechen, wenn wir in
einer vorindustriellen Agrargesellschaft lebten, so ist uns
doch der Inhalt des Bildes nicht verschlossen. Auch nicht,
wenn Jesus im Evangelium sagt, Ich bin der gute Hirte. Der
gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. ...
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und
sie folgen mir. Es ist ein Bild von Eins-sein, Zusammengehören,
von einer Beziehung, die nicht zerstört werden kann.
Ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr
umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.
Wie kann Jesus so etwas Großes sagen? Er kann es sagen,
weil er selber eins ist mit Gott, dem Vater. Und weil er
eins ist mit Gott, dem Hirten, dem Garanten von Güte
und Barmherzigkeit und schützendem Geleit, darum kann
Jesus als unser Herr und Bruder auch unser Hirte sein.
Vertrauen ist das Stichwort.
Da Vertrauen etwas ist, das zerbrechen kann, das einem entgleiten
kann, das im Lauf des Lebens an den Rand gedrängt
werden kann, haben Christen im Wasser der Taufe unter der
Anrufung des Heiligen Geistes ein Siegel empfangen, das
unzerbrechlich ist, zu dem man immer wieder zurückkehren
kann. In der Taufe wird der Mensch Christus sozusagen eingegliedert.
Für immer und ewig dem Hirten zugesprochen, mit ihm
eins gemacht. Und Teil seiner Herde, seiner Kirche gemacht,
ohne die ein Christ nicht leben kann.
Die Taufe ist das Sakrament, das den Grundstock unseres
ganzen Lebens bildet. Auch wenn wir es nicht mehr wissen
sollten. Auch falls das Vertrauen gebrochen ist. Oder wir
uns fragen haben, ob Gott nicht vielleicht dieser Welt seine
Güte und Barmherzigkeit vor Enttäuschung entzogen
haben könnte. Was auch immer geschieht, das Siegel der
Taufe mit Wasser und dem Heiligen Geist ist unauslöschlich.
Es haftet uns an, es ist uns eingeprägt. So wie dieses
Papier (Programm), wenn man es gegen das Licht hält,
sichtbar und unauslöschlich ein Wasserzeichen trägt,
nämlich das Siegel seines Herstellers, so tragen wir
das Wasserzeichen der Taufe immer an uns.
Mit dem Siegel, dem Wasserzeichen der Taufe ist uns Getauften
das Geschenk des Lebens eingeprägt, das wir mit dem
Auferstandenen teilen, ob wir uns dessen bewusst sind oder
nicht. Denn so wie er am Kreuz gestorben ist, so ist alles,
was uns bedrängt, was wir falsch machen, was uns ängstet,
in den Fluten des Taufwassers mit uns gestorben. Und so wie
Christus auferstanden ist, sind wir sind als neue Kreaturen,
neue Geschöpfe Gottes aus dem Wasser der Taufe wieder
herausgehoben worden, zu einem neuen Leben auferstanden.
.
Christen sind nicht qualitativ bessere Menschen als andere
Geschöpfe Gottes. Aber sie haben die Möglichkeit,
ja die Einladung und Herausforderung, sich immer wieder an
ihre Taufe zu erinnern und sich zu ihr zu bekennen. Sich
zu erinnern an das Wasserzeichen, das ihnen aufgeprägt
ist wie einem Bogen Papier. Das Erinnern bringt Vergewisserung
darüber, was denn im Leben einzig die Basis für
Vertrauen, die Quelle von Verlässlichkeit, Güte
und Barmherzigkeit sein kann. Und plötzlich macht die
Rede von der neuen Kreatur im Angesicht des Hinter-sich-Gelassenen
dann doch Sinn.
Im Akt der Konfirmation werden Rami und Julian gleich feierlich
ihre Taufe bestätigen und sich und uns das unauslöschliche
Siegel der Zugehörigkeit zu Christus sichtbar vor Augen
führen. Wenn sie nach vorne kommen, werden sie zunächst
mit ihrer Hand das Taufwasser berühren. Ich lade Sie
ein, in Gedanken an diesem Akt teilzunehmen, mitzugehen ans
Taufbecken und sich neu zu vergewissern, dass dies der Ort
ist, an dem auch Sie in Ihrer Taufe mit Wasser und dem Heiligen
Geist versiegelt worden sind. Was auch geschehen mag, hierher
kann jeder Christ und jede Christin zu jeder Zeit getrost
zurückkehren.
Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von
großer Güte.
Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten
auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen
tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
Amen.
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