1. Samuel 16, 1-13 (Konfirmation)
Psalm 23
Konfirmation
Ostern 4, Der gute Hirte
2. Mai 2004

Pfr. Karin I. Liebster, Associate Pastor
Kolosser 2, 6-10.12 (Konfirmation)
Johannes 10, 22-30

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Konfirmationssprüche:
Julian Heinrich: Psalm 91, 11-12
11 Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
12 dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.


Rami Ollikkala: Psalm 145, 8-9
8 Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.
9 Der Herr ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke.

Gnade sei mit euch Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Es ist der Gemeinde Christ the King Lutheran Church heute eine besondere Freude, diesen Tag mit den Familien Heinrich und Ollikkala mit Julian und Rami zu erleben und in diesem Gottesdienst Eure Konfirmation zu feiern. Diese Gemeinde hat es sich seit vielen Jahren zum Anliegen gemacht, in der Musik, in der Verkündigung des Wortes, und im seelsorgerlichen Dienst Menschen deutschsprachiger Herkunft hier in Houston die Botschaft Gottes in ihrer Muttersprache weiterzugeben. Ihr beiden, Rami und Julian, seid unser erster deutscher Konfirmandenjahrgang.

Wir stehen am Ende eines Jahres Konfirmandenunterrichts, in dem wir uns mit den wichtigsten Grundpfeilern des christlichen Glaubens und der biblischen Tradition beschäftigt haben. Die beiden haben tapfer den gesamten Psalter von Psalm 1 bis Psalm 150 durchgelesen (zumeist auf Englisch, glaube ich?), Psalm 23 auswendig gelernt und das Glaubensbekenntnis auf Englisch und Deutsch auswendig gelernt.

Es ist eine deutsche kirchliche Tradition, zu den wichtigen Anlässen im Leben einen Spruch, zumeist einen Bibelvers mitzugeben. So bekommt man zur Taufe, zur Konfirmation und zur Hochzeit ein Leitwort, ein Motto, das die Person begleitet und Quelle von Trost und Zuspruch sein möchte.

Rami und Julian haben als Konfirmationsspruch jeder einen Vers aus den Psalmen ausgewählt, was nicht überraschen sollte nach so ausführlicher Psalmenlektüre.
Da Ihr nur zwei Konfirmanden seid, möchte ich sie beide vorlesen:
Für Rami:
Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.
Der Herr ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke. Psalm 145, 8-9
Für Julian:
Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Psalm 91, 11-12

Beiden Sprüchen ist ein tiefer Ausdruck von Vertrauen gemeinsam. Vertrauen in die Güte Gottes, in Gottes Barmherzigkeit. Vertrauen darin, dass Gott sich zu seiner Schöpfung bekennt, sie nicht loslässt, sondern behütet und beschützt. Unser Gebet ist, dass die Engel Gottes Kinder auf den Händen tragen sollen.

Dies ist auch, was Psalm 23 für uns bedeutet - Vertrauen in Gott, der die, die sich zu ihm bekennen, begleitet, ihnen den Weg weist und Trost bietet in den finsteren Tälern und Zeiten unseres Lebens. Würde auch das Symbol des Hirten und seiner Schafe mehr zu uns sprechen, wenn wir in einer vorindustriellen Agrargesellschaft lebten, so ist uns doch der Inhalt des Bildes nicht verschlossen. Auch nicht, wenn Jesus im Evangelium sagt, Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. ... Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir. Es ist ein Bild von Eins-sein, Zusammengehören, von einer Beziehung, die nicht zerstört werden kann. Ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.
Wie kann Jesus so etwas Großes sagen? Er kann es sagen, weil er selber eins ist mit Gott, dem Vater. Und weil er eins ist mit Gott, dem Hirten, dem Garanten von Güte und Barmherzigkeit und schützendem Geleit, darum kann Jesus als unser Herr und Bruder auch unser Hirte sein.

Vertrauen ist das Stichwort.
Da Vertrauen etwas ist, das zerbrechen kann, das einem entgleiten kann, das im Lauf des Lebens an den Rand gedrängt werden kann, haben Christen im Wasser der Taufe unter der Anrufung des Heiligen Geistes ein Siegel empfangen, das unzerbrechlich ist, zu dem man immer wieder zurückkehren kann. In der Taufe wird der Mensch Christus sozusagen eingegliedert. Für immer und ewig dem Hirten zugesprochen, mit ihm eins gemacht. Und Teil seiner Herde, seiner Kirche gemacht, ohne die ein Christ nicht leben kann.

Die Taufe ist das Sakrament, das den Grundstock unseres ganzen Lebens bildet. Auch wenn wir es nicht mehr wissen sollten. Auch falls das Vertrauen gebrochen ist. Oder wir uns fragen haben, ob Gott nicht vielleicht dieser Welt seine Güte und Barmherzigkeit vor Enttäuschung entzogen haben könnte. Was auch immer geschieht, das Siegel der Taufe mit Wasser und dem Heiligen Geist ist unauslöschlich. Es haftet uns an, es ist uns eingeprägt. So wie dieses Papier (Programm), wenn man es gegen das Licht hält, sichtbar und unauslöschlich ein Wasserzeichen trägt, nämlich das Siegel seines Herstellers, so tragen wir das Wasserzeichen der Taufe immer an uns.

Mit dem Siegel, dem Wasserzeichen der Taufe ist uns Getauften das Geschenk des Lebens eingeprägt, das wir mit dem Auferstandenen teilen, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Denn so wie er am Kreuz gestorben ist, so ist alles, was uns bedrängt, was wir falsch machen, was uns ängstet, in den Fluten des Taufwassers mit uns gestorben. Und so wie Christus auferstanden ist, sind wir sind als neue Kreaturen, neue Geschöpfe Gottes aus dem Wasser der Taufe wieder herausgehoben worden, zu einem neuen Leben auferstanden.
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Christen sind nicht qualitativ bessere Menschen als andere Geschöpfe Gottes. Aber sie haben die Möglichkeit, ja die Einladung und Herausforderung, sich immer wieder an ihre Taufe zu erinnern und sich zu ihr zu bekennen. Sich zu erinnern an das Wasserzeichen, das ihnen aufgeprägt ist wie einem Bogen Papier. Das Erinnern bringt Vergewisserung darüber, was denn im Leben einzig die Basis für Vertrauen, die Quelle von Verlässlichkeit, Güte und Barmherzigkeit sein kann. Und plötzlich macht die Rede von der neuen Kreatur im Angesicht des Hinter-sich-Gelassenen dann doch Sinn.

Im Akt der Konfirmation werden Rami und Julian gleich feierlich ihre Taufe bestätigen und sich und uns das unauslöschliche Siegel der Zugehörigkeit zu Christus sichtbar vor Augen führen. Wenn sie nach vorne kommen, werden sie zunächst mit ihrer Hand das Taufwasser berühren. Ich lade Sie ein, in Gedanken an diesem Akt teilzunehmen, mitzugehen ans Taufbecken und sich neu zu vergewissern, dass dies der Ort ist, an dem auch Sie in Ihrer Taufe mit Wasser und dem Heiligen Geist versiegelt worden sind. Was auch geschehen mag, hierher kann jeder Christ und jede Christin zu jeder Zeit getrost zurückkehren.
Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.
Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Amen.

Last updated: 2004-11-20 Copyright 2004, Karin I. Liebster