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Gnade sei mit euch
und Friede von Gott, unserem Vater, und unserm Herrn Jesus
Christus. Amen
Was ist eigentlich das Thema von Ostern, liebe Gemeinde?
Ist es das Leben, das neue, das schöne, das kraftvolle?
Oder ist das Thema von Ostern der Tod, der alles Leben
beendet und dem zum Trotz wir leben? Wieviel von unserm
Leben verbringen wir damit, dem Tod zu trotzen, ihn zu
verleugnen, aber auch ihn zu besiegen?
Als Studentin habe ich mich oft geärgert über
Predigten an Ostern, die nur über den Tod zu sprechen
schienen und nicht über das Leben. Vielleicht waren
diese Predigten wirklich schlecht, aber es war wahrscheinlich
eher die jugendliche Selbstgerechtigkeit einer eifrigen
Theologiestudentin, die hier sprach.
Wenn wir uns jedoch im Augenblick umschauen in unserer
Welt, dann müssen uns eigentlich allen die Tränen
nur so von den Wangen herabströmen.
- Im Irak tobt ein Krieg und Aufstand, der täglich
Irakern, Amerikanern und Angehörigen vieler anderer
Nationalitäten das Leben kostet. Ein grausamer Krieg,
der noch lange nicht vorüber ist trotz gegenteiliger
früherer Proklamation.
- Terroranschläge hören
nicht auf. In Madrid, am anderthalbjährigen Jahrestag
der Anschläge
von New York und Washington in 2001, und im Herbst in Istanbul
rissen Bomben hunderte Menschen in den Tod, hinterlassen
lebenslange Verletzungen und Wunden, die Menschen das Grundvertrauen
ins Leben verlieren lassen.
- In Israel wird in einem erbarmungslosen
Krieg seit nunmehr mehreren Jahrzehnten ununterbrochen
Blut vergossen zwischen Israelis und Palästinensern.
Im 21. Jahrhundert baut das Volk eine Mauer durch sein
Land, das Gottes auserwähltes
Volk ist.
- In Ruanda sind vor zehn Jahren in einem Zeitraum
von 100 Tagen 800 000 Menschen ermordet worden. In so
vielen Fällen waren katholische Priester und Nonnen
an den Vergehen beteiligt, dass die Menschen in Scharen
die Kirche verlassen und sich anderen Religionen zuwenden.
- In
unserer eigenen kleinen Welt hier im Rice Village läuft
jemand mit einer Waffe herum und hat im März
eine Frau angeschossen und eine weitere ermordet. Einfach
so.
Das Leiden in der Welt ist da. Es ist wirklich, und gar
nicht weit weg. Es gibt viel zu beweinen, zu viel.
Was also ist das Thema von Ostern? Leben oder Tod?
Schauen wir kurz in das Grab hinein, in das die Frauen
am Ostermorgen gehen. Nur kurz, denn das wissen wir, hier
ist Jesus nicht. Hier werden wir das Leben nicht finden.
Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?, sagen die beiden
Engel zu den Frauen. Er ist nicht hier, er ist auferstanden.
Sie sagen aber noch etwas, diese beiden Männer: Gedenkt
daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa
war: Der Menschensohn muss überantwortet werden in
die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und
am dritten Tage auferstehen. - Und sie gedachten an seine
Worte. Und drehen um und erzählen den Jüngern,
was geschehen ist.
Gedenken, sich erinnern, an Jesus, sein Leben, seine Arbeit,
sein Heilen, seine Geschichten. Gedenken, erinnern, und
erzählen - das scheinen Stichworte zu sein.
Schauen wir auch nach Emmaus, wo die beiden traurigen
Jünger am Ostersonntagnachmittag hingehen.
Emmaus, liebe Gemeinde, müssen wir uns vorstellen
als den Ort, wo wir hingehen, um der Realität zu entfliehen,
eine Kneipe, ins Kino, vielleicht sogar ins Kasino, wo
immer wir hingehen, um die Arme hochzuwerfen und sagen,
soll doch alles den Bach ‘runtergehen, ist sowieso
egal. Emmaus kann sein sich was Neues anzuziehen kaufen,
oder ein neues Auto, das Web surfen, zur Kirche gehen,
Emmaus kann sein, mehr zu rauchen als sonst, mehr zu trinken,
als man weiß ist gesund, schlechte Bücher lesen
oder schreiben, sich in Arbeit vergraben - was auch immer
wir machen oder wo wir hingehen, um zu vergessen, dass
in dieser Welt nichts heilig und nichts ewig ist, dass
die Weisesten und Besten und Schönsten vergehen und
sterben; dass selbst die vernünftigsten und edelsten
Gedanken über Gerechtigkeit, Liebe und Frieden ganz
bestimmt immer verdreht und missbraucht werden von eigennützigen
Leuten zu eigennützigen Zwecken.
Was geschieht an dem Nachmittag und Abend in Emmaus?
Da, wo die Jünger hingehen oder besser hinfliehen,
weil ihnen das Leben zuviel geworden ist, da gesellt sich
Jesus zu ihnen, unerkannt. Und sie erzählen und reden,
sie hören zu und werden erinnert. Jesus, der Fremde,
erinnert sie an ihre eigene Geschichte, an die Geschichte
Gottes mit den Menschen, wie sie in Moses, den Propheten
und auch in den Psalmen erzählt wird. Und später,
als Jesus schon wieder weg ist, erinnern sie sich, dass
ihnen ganz warm ums Herz war, ja es brannte sogar, als
Jesus mit ihnen sprach und sie erinnerte und die Geschichte
Gottes mit den Menschen in ihrer Mitte zum Leben brachte.
Der Fremde, der Unbekannte auf dem Weg nach Emmaus ist
der Auferstandene, er ist das Leben. Auf der Flucht vor
der Realität gesellt sich unerkannt das Leben dazu,
und wird erst nachher erkannt.
Die Augen werden geöffnet im Augenblick als über
Brot und Wein das Gebet gesprochen wird und Brot und Wein
selber noch einmal die Geschichte vom Tod und Leben Jesu
erzählen. Im Brot und Wein ist Jesus selber da, darum
kann er als Gestalt nun verschwinden.
Das Erinnern, das Gedenken der Jünger wird zum Erleben.
Es ist ihnen warm ums Herz, wir würden vielleicht
sagen, sie werden von Energie erfüllt und drehen um,
gehen schnurstracks nach Jerusalem zurück und erzählen
den andern Jüngern, was sie erlebt haben. Und auch
die haben ihnen schon was zu erzählen, entgegenzurufen:
Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.
Gedenken, erinnern, umkehren und erzählen gehen -
wie für die Frauen, sind das nun für alle Osterzeugen
die Stichworte der neuen Zeit. In die Zeit, in der sie
noch der Todesrealität zu entfliehen versuchen, ablenken,
weggucken, alles abschreiben, weil sowieso alles egal ist,
bricht unerkannt schon Auferstehung hinein - im Erinnern,
Gedenken, Erzählen. Und das geschieht oft am besten
um einen Tisch, in der Küche, in der Kneipe, auf einer
Parkbank. Und nie weiß man, ob im Gespräch,
im Gebet oder im Teilen von Brot und Wein nicht plötzlich
doch der Herr gegenwärtig ist. Denn oft weiß man
erst nachher, ob einem ums Herz warm war, und nicht nur
vom Schnaps, sondern vom lebendigen Herrn.
Schauen wir noch kurz zu Paulus hinüber, bei dem
ist es ja nicht viel anders: auch hier ist das Stichwort
Erinnern, Erzählen, die Schrift, denn die Schrift
enthält ja die ganze Geschichte Gottes mit den Menschen,
die mit dem Tod Jesu nicht aufhört, sondern mit dem
Leben des Auferstandenen weitergeht, ohne je wieder aufzuhören.
Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium,
das ich euch verkündigt habe. Ich, der ich der geringste
unter den Aposteln bin, eine unzeitige Geburt (ich weiß nicht,
was das heißt, liebe Gemeinde, aber es klingt nicht
gut...) auch ich habe als letzter in der Kette der Zeugen
Christus, den Auferstandenen, gesehen und habe von der
Gemeinschaft der Zeugen diese Tradition erhalten:
Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden
nach der Schrift; 4 und dass er begraben worden ist; und
dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift;
5 und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von
den Zwölfen.
Dies ist der Kern unserer Geschichte, liebe Gemeinde.
Christus gestorben für unsere Sünden nach der
Schrift. Auferstanden nach der Schrift, und gesehen worden,
von Kephas, Petrus und den Jüngern. In diesem Kern
sind Tod und Leben drin. Gestorben und auferstanden. Offenbar
kann man sie nicht auseinander trennen, den Tod und das
Leben, das Leben und den Tod.
Während unsere Gesichter noch tränennass sind,
liebe Gemeinde, und wir wissen, dass die Tränen nicht
so schnell versiegen werden, lasst uns unserem Gott vertrauen
und die Geschichte weitererzählen, so wie die Frauen,
so wie die Jünger, so wie Paulus. Lasst uns erinnern
an das Leben mit Gott, andere erinnern an die Geschichte
Jesu und die Geschichten Jesu, an die ganze Schrift von
vorne bis hinten, lasst uns an den Tischen und in den Tischgemeinschaften
unseres Lebens das bestärken, was uns im Brechen des
Brotes und Teilen des Weines am Altar verheißen ist:
Die Gegenwart unseres auferstandenen Herrn und Heilands
Jesus Christus, der kommt, unerkannt und doch erkannt,
ganz gewiss, und der der Frieden dieser Welt ist.
Amen.
Ostern:
Newsweek, titelblaetter, Da vinci code - Konspiration.
Es geht um tiefe Identitätsfragen, Werte, an denen
wir hängen, abhängen,unsere ganze Welt, ihre
Interpretation. Es ist kess, damit zu spielen, infrage
zu stellen, rebellion, auflehnen gegen Autorität,
die Oberen,das Establishment.
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