Lukas 22, 39 - Lukas 23, 56 Meditation zu Karfreitag
9. April 2004

Pfr. Karin I. Liebster, Associate Pastor
Gelesen in drei Teilen:
22, 39-71 Gethsemane, Gefanennahme, Verleugnung, vor dem Hohen Rat
Stille, Lied
23, 1-25 Jesus vor Pilatus, vor Herodes, Verurteilung
Stille, Meditation, Leid
23, 26-56 Golgatha, Kreuzigung und Tod, Grablegung
Stille, Arie für Sopran

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Die Nacht nach dem letzten gemeinsamen Mahl ist verwirrend. Verwirrend und voller Furcht. Nach dem Hahnenschrei, bitter. Petrus hat einen Fehler begangen. Selbst wenn er am Ausgang der Ereignisse nichts ändern konnte, im Moment als er den Hahn hört, ist es zu spät. Wir werden nicht gerne erinnert an unsere Fehler im Leben, an den Augenblick, in dem sie geschahen und nicht mehr umzukehren waren.
Petrus hat Jesus dreimal verleugnet in dieser verwirrenden Nacht. Als der Hahn kräht, wendet sich Jesus ihm zu und schaut ihn an.

Der Tag nimmt seinen unvermeidlichen Gang: Verhöre, Verspottung, Verurteilung.
In unserer letzten Lesung hören wir dann das Ende mit Kreuzigung, Tod und Grablegung.

Wir hören nicht viel davon, wie es Jesus geht dabei. Im Garten, vor der Festnahme ringt er im Gebet mit dem Tod. Ein Engel kommt und stärkt ihn. Sein Schweiß wird schwer wie Blutstropfen. Im Gebet übergibt er sich ganz dem Vater.

Danach ist er gefasst und bereit. Er spricht nicht viel. Im Verhör lässt er die Ankläger sagen, wer er ist, er legt die Botschaft vom Heil in ihren Mund. Er ist der Christus, Gottes Sohn, der Juden König. Er selber spricht nur noch im Gebet und in der Verheißung. Er betet für die Soldaten: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Er verheißt dem einen der Übeltäter, die mit ihm gekreuzigt werden: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein. Und zuletzt sagt er zum Vater: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!

Jesus stirbt als Märtyrer.
Von den ersten Aposteln, die ihn als den Christus bezeugen und den Auferstandenen, sterben alle bis auf einen als Märtyrer, ähnliche Tode wie Jesus.
Stephanus, der gesteinigt wird, ruft: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!, und: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!
Die Bitte des Märtyrers um Vergebung für die Peiniger kennen wir auch von Dietrich Bonhoeffer, der heute vor 59 Jahren am 9. April 1945 in Flossenbürg in Bayern von den Nazis hingerichtet wurde.

Es ist nicht das Leiden, das Blut, der Schmerz, die Angst, die uns das Heil bringen.
Es ist Christus, der uns das Heil bringt. Das Heil, das von Gott kommt. Es ergreift die ganze Welt.

Als Jesus gekreuzigt ist, wird es dunkel. Das ganze Land wird dunkel drei Stunden lang, bis Jesus stirbt. Die ganze Welt, der ganze Kosmos sind vom Urteil betroffen, Menschen, Vieh, Fische, Vögel, Würmer, Käfer, gut und böse, alt und jung, - alle und alles im Dunkeln. Der Vorhang im Tempel zwischen dem Profanen und dem Allerheiligsten reißt entzwei, und es ist als ob im Tod Jesu die Trennung von Himmel und Erde so dünn wird, dass sie für einen Augenblick reißt, aufgehoben ist.

So kommt das Heil Gottes in die Welt, wie es die Schrift verheißen hat.
Geboren unter dem Lobgesang der himmlischen Heerscharen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens;
gepriesen von den Alten in Israel: ... meine Augen haben deinen Heiland gesehen, Herr Gott, nun kann ich in Frieden fahren;
gestorben am Kreuz, wo Dunkelheit den Kosmos bedeckt und für den Gekreuzigten die Trennung von Himmel und Erde so dünn wird, dass er bei Gott ist.

Im täglichen Gebet erkennen wir dieses Heil, - für die Welt; für die, die Gott schützt; für uns.
Im Gebet erkennen wir auch unsere eigene Schuld, unser Versäumen, unser Verleugnen. Hier ist der rechte Ort für die Bitte um Vergebung.
In der Kreuzesbetrachtung sehen wir auch, wie das Heil durch den zerrissenen Vorhang hineinbricht in den Kosmos, unaufhaltsam und uns zu seinen Zeugen macht in aller Welt.
Amen.

Last updated: 2004-11-20 Copyright 2004, Karin I. Liebster