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Die Nacht nach dem
letzten gemeinsamen Mahl ist verwirrend. Verwirrend und voller
Furcht. Nach dem Hahnenschrei, bitter. Petrus hat einen Fehler
begangen. Selbst wenn er am Ausgang der Ereignisse nichts ändern
konnte, im Moment als er den Hahn hört, ist es zu spät.
Wir werden nicht gerne erinnert an unsere Fehler im Leben,
an den Augenblick, in dem sie geschahen und nicht mehr umzukehren
waren.
Petrus hat Jesus dreimal verleugnet in dieser verwirrenden
Nacht. Als der Hahn kräht, wendet sich Jesus ihm zu und
schaut ihn an.
Der Tag nimmt seinen unvermeidlichen Gang: Verhöre,
Verspottung, Verurteilung.
In unserer letzten Lesung hören wir dann das Ende mit
Kreuzigung, Tod und Grablegung.
Wir hören nicht viel davon, wie es Jesus geht dabei.
Im Garten, vor der Festnahme ringt er im Gebet mit dem Tod.
Ein Engel kommt und stärkt ihn. Sein Schweiß wird
schwer wie Blutstropfen. Im Gebet übergibt er sich ganz
dem Vater.
Danach ist er gefasst und bereit. Er spricht nicht viel.
Im Verhör lässt er die Ankläger sagen, wer
er ist, er legt die Botschaft vom Heil in ihren Mund. Er
ist der Christus, Gottes Sohn, der Juden König. Er selber
spricht nur noch im Gebet und in der Verheißung. Er
betet für die Soldaten: Vater, vergib ihnen, denn sie
wissen nicht, was sie tun. Er verheißt dem einen der Übeltäter,
die mit ihm gekreuzigt werden: Wahrlich, ich sage dir, heute
wirst du mit mir im Paradies sein. Und zuletzt sagt er zum
Vater: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!
Jesus stirbt als Märtyrer.
Von den ersten Aposteln, die ihn als den Christus bezeugen
und den Auferstandenen, sterben alle bis auf einen als
Märtyrer, ähnliche Tode wie Jesus.
Stephanus, der gesteinigt wird, ruft: Herr Jesus, nimm meinen
Geist auf!, und: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht
an!
Die Bitte des Märtyrers um Vergebung für die Peiniger
kennen wir auch von Dietrich Bonhoeffer, der heute vor 59
Jahren am 9. April 1945 in Flossenbürg in Bayern von
den Nazis hingerichtet wurde.
Es ist nicht das Leiden, das Blut, der Schmerz, die Angst,
die uns das Heil bringen.
Es ist Christus, der uns das Heil bringt. Das Heil, das von
Gott kommt. Es ergreift die ganze Welt.
Als Jesus gekreuzigt ist, wird es dunkel. Das ganze Land
wird dunkel drei Stunden lang, bis Jesus stirbt. Die ganze
Welt, der ganze Kosmos sind vom Urteil betroffen, Menschen,
Vieh, Fische, Vögel, Würmer, Käfer, gut und
böse, alt und jung, - alle und alles im Dunkeln. Der
Vorhang im Tempel zwischen dem Profanen und dem Allerheiligsten
reißt entzwei, und es ist als ob im Tod Jesu die Trennung
von Himmel und Erde so dünn wird, dass sie für
einen Augenblick reißt, aufgehoben ist.
So kommt das Heil Gottes in die Welt, wie es die Schrift
verheißen hat.
Geboren unter dem Lobgesang der himmlischen Heerscharen:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den
Menschen seines Wohlgefallens;
gepriesen von den Alten in Israel: ... meine Augen haben
deinen Heiland gesehen, Herr Gott, nun kann ich in Frieden
fahren;
gestorben am Kreuz, wo Dunkelheit den Kosmos bedeckt und
für den Gekreuzigten die Trennung von Himmel und Erde
so dünn wird, dass er bei Gott ist.
Im täglichen Gebet erkennen wir dieses Heil, - für
die Welt; für die, die Gott schützt; für uns.
Im Gebet erkennen wir auch unsere eigene Schuld, unser Versäumen,
unser Verleugnen. Hier ist der rechte Ort für die Bitte
um Vergebung.
In der Kreuzesbetrachtung sehen wir auch, wie das Heil durch
den zerrissenen Vorhang hineinbricht in den Kosmos, unaufhaltsam
und uns zu seinen Zeugen macht in aller Welt.
Amen.
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