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Gnade sei mit euch
und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus
Christus. Amen.
Als Israel im Jahr 537 v.Chr. aus dem babylonischen Exil
heimkehrte, stellte sich bald heraus, dass der Wiederaufbau
Jerusalems und Judäas sich schwierig gestaltete, schwieriger
als erwartet. Unter den Heimgekehrten breitete sich bald Hoffnungslosigkeit
aus und sie fühlten sich verlassen und einsam, genauso
wie das Land verlassen und einsam war.
Auf dem weiten Weg von Babylon nach Hause hatten sie ganz
dem Ruf des Propheten vertraut, “Tröstet, tröstet,
mein Volk”, und ihre Hoffnung auf den Gott gesetzt,
der ihre Urahnen durch das Rote Meer und die Wüste in
die Freiheit geführt hatte. Jetzt aber prallten Traum
und Wirklichkeit aufeinander. Es war nichts da für den
wirtschaftlichen Aufbau, auch keine Stadtmauer, kein Tempel.
Was das Schlimmste war: die Führungskräfte waren
eine Katastrophe. Jesaja nennt es schonungslos beim Namen
(Jes 56, 10 - 12): “Alle ihre Wächter sind blind,
sie wissen alle nichts. Stumme Hunde sind sie, die nicht bellen
können, sie liegen und jappen und schlafen gerne. Aber
es sind gierige Hunde, die nie satt werden können. Das
sind die Hirten, die keinen Verstand haben; ein jeder sieht
auf seinen Weg, alle sind auf ihren Gewinn aus und sagen:
Kommt her, ich will Wein holen, wir wollen uns vollsaufen,
und es soll morgen sein wie heute und noch viel herrlicher!”
Herrlichkeit aber finden sie nicht. Sie stoßen nur
an ihre Grenzen.
Man könnte fast meinen, wir hätten ein Dokument
aus unserer Zeit gelesen. Völker in vielen Ländern
dieser Welt versuchen ihre Gemeinwesen wiederaufzubauen nach
Krieg oder im Kampf gegen Epidemien. Menschen kämpfen
mit ökonomischen Ungewissheiten und warten auf Zeichen
der Hoffnung. Und währenddessen geht das Leben weiter:
Kinder werden geboren und aufgezogen, die Kranken werden gepflegt,
Nahrung wird herbeigeschafft, Menschen sterben, Menschen teilen
die Freuden und die Leiden.
Als Paulus im Jahr 53 n. Chr. an die Gemeinde in Korinth
schreibt, eine Gemeinde, mit der er sich tief verbunden fühlt,
die er liebt wie ein Vater seine Kinder, schreibt er an eine
Gemeinde, die zerstritten ist, zersplittert, verbittert, prahlerisch
und herablassend.
Sie mögen zwar die richtigen Sachen sagen, wie z. B.
“Jesus ist Herr” - welches unser kürzestest
Glaubenbekenntnis ist -, aber sie haben keine Ahnung, dass
sie als Gemeinschaft nicht Jesu Herr-sein oder Gottes Herrlichkeit
widerspiegeln, sondern nur ihre eigenen Grenzen und ihre Begrenztheit.
Als Jesus zur Hochzeit nach Kana kommt, gerät er in
eine Situation, die in null komma nichts zur Katastrophe werden
kann und den Bräutigam seine ganze Ehre kosten - durch
einen begrenzten Vorrat an Wein.
Ah, heute ist Hochzeit, lasst uns einmal nicht an das denken,
was nicht geht, heute lasst uns feiern. Her mit dem Wein!
Morgen kümmern wir uns wieder um unsere Grenzen und Begrenzungen!
Jesus rettet den Bräutigam und seine Ehre. Darum lieben
wir diese Geschichte. Darum lieben wir Jesus hier. Wegen dieses
herrlichen Wunders. Könnte uns Jesus nicht auch manchmal
so zur Hilfe kommen?
Aber Johannes macht uns schnell klar, dass die Wandlung von
Wasser zu Wein, zu schier unbegrenzten Mengen von Wein nicht
alles ist. Das eigentliche Wunder liegt sogar woanders, liebe
Gemeinde.
Die Geschichte vom Weinwunder zu Kana, von der Hochzeit
in Kana, ist ein Symbol, ein Glaubenssymbol für die Herrlichkeit
Gottes..
Johannes stellt hier am Anfang des Evangeliums klar: Jesus
ist da, Jesus hat die Bühne betreten. Das Weinwunder
ist sein erstes Zeichen. Er hat die Krippe und die passive
Rolle des Babies hinter sich gelassen. Und tatsächlich,
dieser Jesus ist Herr. Er offenbarte seine Herrlichkeit. Und
die Jünger glaubten an ihn. “Du hast den guten
Wein bis jetzt zurückgehalten” - das ist das Wunder
in der Geschichte. Das Beste kommt noch - das ist das Wunder,
darin offenbart sich seine Herrlichkeit.
Unser Morgen wird nicht so sein wie unser Heute. Mit diesem
Herrn auf der Bühne, bei uns, kommt das Beste noch. Die
Zukunft wird besser sein als die Vergangenheit, das Beste
liegt vor uns.
Jesu Herrlichkeit ist nicht auf die Hochzeit beschränkt.
Seine Herrlichkeit breitet sich grenzenlos aus in unserem
Leben, in unseren Kreisen, unseren Kirchen überall und
zu allen Zeiten. Die Freude, die wir in der Gegenwart dieses
Herrn spüren, ist unbegrenzte, wahrhaftig berauschende
Freude ohne Kopfweh und Nebeneffekte.
In der Gegenwart dieses herrlichen Herrn verschiebt sich
unsere Wahrnehmung von Zeit. Wir sind nicht mehr ausschliesslich
durch unsere eigenen, individuellen oder gemeinsamen Begrenzungen
in der Vergangenheit bestimmt. Die Freude über diesen
Herrn erlaubt uns eine Perspektive aus der neuen Zeit, die
jetzt anfängt, noch vor uns liegt und die Beste ist.
Auch wir glauben an diesen Herrn wie die Jünger, und
haben im Abendmahl einen Vorgeschmack auf das Fest, das vor
uns liegt und ohne Ende ist.
Und Paulus glaubt an diesen Herrn Jesus. Er hat ein kühnes
Bild von der Herrlichkeit Christi in unserer Welt. Er sagt,
die Kirche ist der Leib Christi. In der Kirche ist Jesus da,
unter uns in Herrlichkeit. Das ist Paulus Botschaft an die
zerstrittenen Korinther. Er sagt nicht, bessert euch erst,
dann wird vielleicht die Herrlichkeit Christi unter euch erscheinen.
Nein, ihr seid der Leib Christi und der Ort seiner Herrlichkeit.
Ihr alle habt Gaben, Talente bekommen. Benutzt sie zum Wohl
und Nutzen aller und stärkt damit eure Gemeinschaft,
statt eure Gaben gegeneinander auszuspielen und kaputtzumachen.
Und so gibt Paulus den Korinthern eine neue Sicht, auf die
Herrlichkeit Gottes, die schon da ist in ihrer Kirche und
die noch herrlicher wird.
Auch der Prophet Jesaja glaubte an die Herrlichkeit Gottes,
die sich dem Volk Israel immer wieder offenbarte, oft dann,
wenn es am wenigsten wahrscheinlich schien. Jesaja besaß
die Gabe der Hoffnung entgegen aller Wirklichkeit und die
Gabe der Erinnerung an Gottes Verheissungen. Auch er glaubte,
dass das Beste noch kommt und Gott es für jetzt aufhebt.
Er sieht nun die Leitung des Volkes Israel als Wächter
auf den Mauern Jerusalems, wo sie Tag und Nacht Wache halten
und unablässig zu Gott rufen, bis er Jerusalem wieder
gründet.
Mit den Wächtern in Jerusalem und in Erinnerung an die
Hochzeit zu Kana, auf der Jesu unbegrenzte Herrlichkeit unter
uns manifest wurde, sind wir selber eingeladen, Gott daran
zu erinnern, dass er auch unter uns herrlich sein möge
und gegenwärtig. Dass er uns nicht aufgebe und verlasse,
nicht unsere Hochzeiten, unsere Häuser und Familien,
die Zimmer der Kranken und Sterbenden, nicht unsere Gottesdienste
und Abendmahlsfeiern. Weil auch wir glauben, dass das Beste
mit Christus begonnen hat und noch kommt, wie Jesaja sagt:
“Und du sollst mit einem neuen Namen genannt werden,
welchen des HERRN Mund nennen wird. Und du wirst sein eine
schöne Krone in der Hand des HERRN und ein königlicher
Reif in der Hand deines Gottes. Man soll dich nicht mehr nennen
»Verlassene« und dein Land nicht mehr »Einsame«,
sondern du sollst heißen »Meine Lust« und
dein Land »Liebe Frau«; denn der HERR hat Lust
an dir, und dein Land hat einen lieben Mann.Denn wie ein junger
Mann eine Jungfrau freit, so wird dich dein Erbauer freien,
und wie sich ein Bräutigam freut über die Braut,
so wird sich dein Gott über dich freuen.”
Amen.
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