Jesaja 9, 1-6 Heiligabend
24. Dezember 2003

Pfr. Karin I. Liebster, Associate Pastor
Titus 3, 4-8
Lukas 2, 1-20

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Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!

Kinder: Was ist das größte Geschenk, das ihr jemals bekommen habt?
Jetzt seid ihr dran, ihr dürft laut sagen, was einmal euer größtes Geschenk war.
(Feuerwehr, gameboy oder x-box oder Nintendo, ein Hund, eine Katze, ein Fahrrad,....
---- bei einem Tier: ah, hört einmal her, dies ist ein anderes Geschenk. Dies ist anders als ein Fahrrad etc. Dieses Geschenk ist lebendig.)

Dies sind alles wunderbare Geschenke.
Wisst ihr, dass manche Geschenke so gross sind, dass keiner sie sieht? Sie sind so gross, dass man sie fast nicht sehen kann. Es ist so schwer, sie zu sehen, dass, um sie sehen zu können, man ganz bis an den Anfang zurückgehen muss, oder sogar ein bisschen vor den Anfang.

Im Anfang, ja im Anfang war nicht viel, eigentlich gar nichts, ausser vielleicht ein grosses Lächeln. Aber es gab niemanden, der es sehen konnte. Und dann schuf Gott Himmel und Erde. Und gab uns das Geschenk des Lichtes, so dass wir jetzt nicht nur in der Dunkelheit sitzen. Nicht die Glühbirne schuf Gott, oder eine Kerze, nein, alles Licht. Gott gab uns das Licht, von dem alles Licht kommt.
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein grosses Licht, und über denen, die da wohnen in finstern Lande scheint es hell. Zu den Hirten trat der Engel und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr.

Und am Ende des ersten Tages sah Gott das Licht und fand es gut.
Am zweiten Tag gab Gott uns das Geschenk des Wassers, nicht das Wasser aus dem Wasserhahn oder den Regen oder den Ozean, nein, Gott gab uns das Wasser, aus dem alles Wasser kommt.
Und als Gottes Freundlichkeit und Menschenliebe erschien - nach seiner Barmherzigkeit - da machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung inm Heiligen Geist, den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, damit wir das ewige Leben erben.

Am dritten Tag gab Gott uns das Geschenk des trockenen Landes und alles Grüne, das darauf wächst. Am vierten Tag gab Gott uns das Geschenk von Tag und Nacht, Sonne und Mond und die Sterne. Gott gab uns das Geschenk, die Tage zu zählen. Am fünften Tag gab Gott uns das Geschenk der Tiere, die im Himmel und im Wasser leben, nicht nur die Fische, sondern alles, was schwimmt, und nicht nur die Vögel, sondern alles, was fliegt. Und wie immer sah Gott, was er gemacht hatte, und sagte, Es ist gut.

Am sechsten Tag gab Gott uns das Geschenk der Lebewesen, die auf der Erde leben, Zweibeiner, so wie du und ich, und die, die viele Beine haben.
Und der Engel sprach: ...euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. ... Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen.

Als Gott die Lebewesen mit zwei Beinen und die mit den vielen Beinen sah, sagte er, Es ist sehr gut, und das war das Ende des sechsten Tages.

Manche Geschenke sind so gross, dass man ganz an den Anfang zurückgehen muss, um sie zu sehen.
Das Kind in der Krippe ist so ein Geschenk. Und es schenkt uns den Anfang wieder. Die wir glaubten, schon am Ende zu sein oder zu alt, um noch Hoffnung zu haben, dass etwas Neues geschehen kann, uns wird der Anfang wieder geschenkt. Uns, die wir glaubten, verloren zu sein, vergessen vielleicht oder verdorben oder nicht würdig, wird die neue Schöpfung geschenkt im Kind in der Krippe. Denn Gott hat diese Welt noch nicht aufgegeben, so alt sie inzwischen auch sein mag, so hoffnungslos, so unwürdig, - Gott hat noch Interesse an seiner Schöpfung, weil er treu ist und nicht aufgibt, was er geschaffen hat. “Des Höchsten Sohn kommt in die Welt, weil ihm ihr Heil so wohl gefällt,” heisst es in Bachs Weihnachtsoratorium.

Gott wird Mensch, eine Kreatur, ein Lebewesen mit zwei Beinen, weil ihm das Wohl der Welt, ihr Heil, so sehr am Herzen liegt. Gott ist kein einsamer Gott, der eifersüchtig und egoistisch für sich allein bleibt in himmlischen Sphären, abgeschirmt durch himmlische Heerscharen. Gott kommt zu uns, zu seiner Schöpfung, seiner verlorenen, vergessenen und vergesslichen, unwürdigen Schöpfung, freundlich und voller Liebe zu den Menschen des sechsten Tages seiner Schöpfung. Er kommt als ein schwacher Herr im Vergleich zu den Herren der Welt, dieser Sprössling aus dem Hause Davids. Ein Kind, von Herodes verfolgt, ein Mann, gekreuzigt für das Heil der Welt. Und dann nicht im Tod geblieben.

Manchmal ist das Geschenk so gross, dass man es nicht sehen kann. Dann müssen wir wieder ganz an den Anfang oder noch vor den Anfang zurückgehen, wo nichts ist - ausser vielleicht das Lächeln des Heiligen Geistes -, um es zu sehen.
Manchmal ist ein Anfang, ein Neuanfang so unscheinbar, dass wir ihn nicht erkennen. Kinder werden schliesslich jeden Tag geboren. Im Wasserbad der Taufe und in der Erneuerung desselben Heiligen Geistes, der schon am Anfang über den Wassern schwebte, ist uns jedoch der Anfang schon eingepflanzt. Vielleicht unscheinbar, aber da. Der Anfang zu einem Leben in Hoffnung und in Liebe, ein Anfang, den wir wieder aufgreifen können, weil Gott sich nicht zu schade war, zu uns zu kommen, vorbehaltlos und unbeeindruckt von allem, was wir seinem Kommen entgegenhalten.

Und am siebten Tag vollendete Gott die Schöpfung, vollendete alle seine Werke von Tag eins bis zu Tag sechs, und ruhte. Auf der Vollendung liegt Gottes Segen. In Christus ist die Vollendung nocheinmal in die Welt gekommen, nicht um uns zu beschämen, dass wir noch immer unvollendet sind, sondern uns zur Freude und zur Hoffnung und zur Erinnerung an den neuen Anfang, der uns in der Taufe eingepflanzt ist. So ist die Zeit der Ruhe, die heilige, die besondere Zeit des Feiertages, diese Weihnachtfestes, Zeit der Freude, der Hoffnung, - vollendete Zeit, in der wir im Kind in der Krippe den eigenen Anfang wieder sehen.

Und der Friede.....
Amen.

Last updated: 2004-11-18 Copyright 2003, Karin I. Liebster