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Gnade sei mit euch und Friede von
Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Jauchzet, frohlocket! Auf! Preiset
die Tage,
Rühmet, was heute der Höchste getan,
Lasset das Zagen, verbannet die Klage,
Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an:
Dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören,
Laßt uns den Namen des Höchsten verehren.
So beginnt das Weihnachtsoratorium
von Johann Sebastian Bach, liebe Gemeinde - "Lasset das
Zagen, verbannet die Klage, stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit
an." - "Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden
das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen."
(Lk 2, 12) Rettung ist da, lasset das Zagen, verbannet die
Klage, und das Zeichen für uns ist ein Kind in einem
Stall in Bethlehem, in Windeln gewickelt.
Eigentlich merkwürdig, das Kind,
die Sache selbst ist das Zeichen. Aber so steht es da im Evangelium.
Jesus ist geboren, Gott ist Mensch geworden in diesem Jesus
von Nazareth. In der Geschichte Gottes mit den Menschen ist
dies der Moment, auf den wir gewartet haben. Erlösung
ist in unsere Welt, in unsere Geschichte eingetreten. Das
Kind in Windeln ist das Zeichen.
Wie kann das sein? Wie kann die Sache
selbst das Zeichen sein?
Hier beginnt das Geheimnis des Glaubens,
liebe Gemeinde. Im Wunder und Geheimnis des menschgewordenen
Wortes hat Gott uns die Augen geöffnet für seine
neu aufstrahlende Herrlichkeit, damit, wenn wir Gott in der
Krippe anschauen, den wir sehen können, wir auch den
Gott lieben, den wir nicht sehen können.
Vielleicht sind wir deshalb heute
abend hier: wir hoffen, in das Geheimnis des Glaubens hineingezogen
zu werden und neu davon ergriffen zu werden.
Lasset das Zagen, verbannet die Klage.
Gott ist sichtbar im Kind, im Zeichen.
Wir lieben Zeichen, wir haben unsere Weihnachtszimmer festlich
damit geschmückt. Gott redet mit uns in Zeichen. Denn
wir haben Schwierigkeiten mit den Worten, mit der Sprache.
Unsere Welt ist voll von Sprache, von Worten, von Lüge,
Nachrichten, true stories and wrong stories. Voll von Plänen,
guten, aber noch viel mehr schlechten. Am meisten Angst machen
uns im Augenblick wohl, was die Welt angeht, die Pläne
für den bevorstehenden Krieg in Irak.
Wir Menschen sind so verwirrt, so
abgelenkt, so abgekehrt von Liebe, wie sie sich in der schlichten
Hinwendung zu einem neugeborenen Kind ausdrückt, dass
wir Sinn und Ziel unseres Hierseins auf Gottes Erde aus dem
Blick verloren zu haben scheinen. Dass die Welt von einer
tiefen Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Frieden erfüllt
sein soll, wie die Prophetenlesung eingeleitet wurde, das
ruft bei uns eher Zynismus als Zustimmung hervor.
Also doch eher verzagen und der Klage
anhängen?
Aber da ist das Kind in Windeln gewickelt,
Gottes Zeichen, daß Erlösung da ist. Die Zeit ist
erfüllt, die Welt bleibt nicht so, wie sie ist.
In dem Stall neben dem Jesuskind sind
noch andere Gestalten, auch sie Zeichen, Zeichen für
uns: der Ochs und der Esel. In der christlichen Legendenbildung
sind sie fester Bestandteil unserer Krippenbilder und Weihnachtsspiele
geworden. Aus einer Halbzeile im ersten Kapitel des Jesajabuches
zu uns gekommen, holen wir die beiden Stalltiere Jahr für
Jahr wieder aus der Kiste und stellen sie in unseren Krippen
gleich neben das Jesuskind. Sie haben ihre eigene Würde
und Ehrenstellung bekommen, der Ochs und der Esel, auch wenn
wir nicht so genau wissen, warum.
Heute abend, liebe Gemeinde, haben
sie uns etwas zu sagen:
"Mich", sagt der Esel, "kennt
Ihr von Palmsonntag, vielleicht auch vom ersten Advent, falls
Ihr gerade in Deutschland wart und zur Kirche gegangen seid.
Da bin ich Euch entgegengekommen beim Einzug nach Jerusalem,
Jesus auf meinem Rücken. Die Leute begrüßen
uns und winken mit Friedenspalmen. Dort wo ich langgehe, winken
keine Schwerter. Denn der, den ich trage, ist ein Friedenskönig,
kein Kaiser hoch zu Ross, der sich stolz reckt und niemals
bückt. Der König auf meinem Rücken, der Friedenskönig,
geht den richtigen Weg, und der führt untenher.
Gott hat das Schwache auserwählt,
mich, den Esel, das unwürdige Abbild des Schlachtpferdes,
und ein Kind, das sich für uns in einem unwürdigen
Tod dahingibt.
Ich bin ja nur ein Esel, und was weiss ich schon von der Weltgeschichte,
aber dies sage ich Euch: Auf mir ist der Friedenskönig
eingeritten in das neue Jerusalem - und daran erinnere ich
Euch jedes Jahr, wenn Ihr mich wieder in Eure Krippe stellt:
Gelobet sei der da kommt im Namen des Herren."
Und der Ochse:
"Mich lacht Ihr aus, den Ochsen.
Ich bin kein Stier, nicht stark und stolz, nein. Ich habe
kein Ansehen, nie bin ich zu einem Symbol für irgendetwas
geworden im Himmel der Menschen. Noch nicht einmal das goldene
Kalb bin ich, um das ihr Menschen herumtanzt, wenn Ihr vor
lauter Heimweh nach den Fleischtöpfen Ägyptens die
Götter beschwört.
Aber, gebt acht. Ich bin Teil der Legende
geworden, Teil Eurer Weihnachtsgeschichte. Ich stehe nun im
Stall und bin bei der Menschwerdung Gottes dabei. Ich sehe,
wie Ihr im Begriff seid, das Jesuskind aus der Krippe zu stehlen,
es wegzutragen und aus dem Bund der Geschichte Gottes mit
seinem Volk Israel und der Kirche herauszulösen. Seht
Euch vor, laßt Euch nicht verführen von goldenen
Kälbern und falschen Friedensboten, die Eure Unterwerfung
verlangen. Denkt daran, das Kind in der Krippe kommt nicht,
um zu herrschen, sondern zu dienen, auch Euch zu dienen."
So stehen oder liegen sie da, der
Ochs und der Esel, in unseren Krippen. Und zwischen ihnen
liegt das Kind, Jesus, unsere Hoffnung. Kommt, laßt
uns leise mit dazustellen an die Krippe, liebe Gemeinde, laßt
uns die Hoffnung ergreifen, Gott in unseren Herzen Raum machen,
und unsere eigene Zeit und unsere Geschichte von ihm bestimmen
lassen. Geben wir Gott Raum in unseren Herzen und in der Gemeinschaft,
dann wissen wir wieder, daß auch unser tiefster Wunsch
Frieden und Gerechtigkeit sind. Liebe und Mitmenschlichkeit.
"Jauchzet, frohlocket! Auf! Preiset
die Tage!
Rühmet, was heute der Höchste getan,
Lasset das Zagen, verbannet die Klage!"
"Zwar ist unsre Herzensstube
wohl kein schöner Fürstensaal, sondern eine finstre
Grube. Doch sobald dein Gnadenstrahl in denselben nur wird
blinken, wird es voller Sonnen dünken." (Weihnachtsoratorium,
Teil V, letzter Choral)
Auf das Geheimnis unseres Glaubens
fällt heute Nacht helles Licht. Gottes Gnadenstrahl macht
es uns leicht herzuzutreten, und an der Krippe die Sonne der
Gerechtigkeit anzubeten, vor der sich schließlich aller
Knie beugen werden.
Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit
an:
Dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören,
Laßt uns den Namen des Höchsten verehren.
Amen.
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