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Gemeinde
für Deutschsprachige - German Language Ministry
Lesungen
und Predigt
Erste
Lesung: Ezechiel 33, 7-11
7
Und nun, du Menschenkind, ich habe dich zum Wächter gesetzt
über das Haus Israel. Wenn du etwas aus meinem Munde
hörst, sollst du sie in meinem Namen warnen.
8 Wenn ich nun zu dem Gottlosen sage: Du Gottloser musst des
Todes sterben!, und du sagst ihm das nicht, um den Gottlosen
vor seinem Wege zu warnen, so wird er, der Gottlose, um seiner
Sünde willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner
Hand fordern.
9 Warnst du aber den Gottlosen vor seinem Wege, dass er von
ihm umkehre, und er will von seinem Wege nicht umkehren, so
wird er um seiner Sünde willen sterben, aber du hast
dein Leben errettet.
Gott richtet jeden nach seinem Handeln
10 Und nun, du Menschenkind, sage dem Hause Israel: Ihr sprecht:
Unsere Sünden und Missetaten liegen auf uns, dass wir
darunter vergehen; wie können wir denn leben?
11 So sprich zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht Gott der
HERR: Ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern
dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt
nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben,
ihr vom Hause Israel?
Epistellesung: Römer 13, 8-14
8
Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander
liebt; denn [a]wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt.
9 Denn was da gesagt ist (2.Mose 20,13-17): »Du sollst
nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht
stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst
an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst (3.Mose
19,18): »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich
selbst.«
10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist
nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.
11 Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass
die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil
ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig
wurden.
12 Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen.
So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen
die Waffen des Lichts.
13 Lasst uns ehrbar leben wie am Tage, nicht in Fressen und
Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader
und Eifersucht;
14 sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und sorgt für
den Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt.
Evangelium: Matthäus 18, 15-20
15
Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh hin und weise
ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf
dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.
16 Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei
zu dir, damit jede Sache durch den Mund von zwei oder drei
Zeugen bestätigt werde.
17 Hört er auf die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört
er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie
ein Heide und Zöllner.
18 Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet,
soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen
werdet, soll auch im Himmel gelöst sein.
19 Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins
werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen
widerfahren von meinem Vater im Himmel.
20 Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen,
da bin ich mitten unter ihnen.
Predigt:
Gnade
sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem
Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe
Schwestern und Brüder,
Außergewöhnliche Umstände rufen nach außergewöhnlichem
Handeln. Die Zerstörung, die Hurricane Katrina diese
Woche an der Golfküste angerichtet hat, hat uns in eine
Krise unvorstellbaren Ausmaßes geworfen, deren Ende
wir noch nicht absehen können und die unser Vorstellungsvermögen
zur Zeit immer noch übersteigt. Und dennoch, bevor wir
in der Lage sind, einzuschätzen, wieviel Leben verloren
ist, wievielen Menschen ihr Auskommen geraubt ist, wieviele
Städte unbewohnbar bleiben, haben wir schon begonnen,
die unmittelbare Not der Menschen zu lindern, die zu Tausenden
hier zu uns nach Houston kommen. Ich möchte allen danken,
die in dieser Woche in irgendeiner Weise geholfen haben:
mit Gebet, durch Spenden von Essen, Kleidung, Geld, Transport,
das Öffnen des eigenen Hauses, medizinische Hilfe, Katastrophenhilfe
- all dieses sind Wege, in denen wir Christus im anderen erkennen.
Alle
sind wir betroffen von der Katastrophe und alle haben wir
irgendwie darauf reagiert: mit Schock, mit Aktivität
und spontanem Handeln, Einkaufen für die Evakuierten,
Entwickeln von Strategien. Aber wir haben auch mit Angst reagiert,
Depression, Kopfschmerzen, Verleugnung, und Unfähigkeit,
die Massen an Bildern und Informationen, die auf uns einstürmen,
zu verarbeiten.
Bei
manchen von uns haben sich diese Woche in ihrem Leben andere
Dinge ereignet, die jedes für sich schlimm genug waren
und nun im Schatten des größeren Traumas des Hurricanes
stehen: ein Elternteil ist gestorben, eine Operation ist anders
ausgegangen als erwartet, jemand musste plötzlich in
Krankenhaus, bei der Arbeit hat sich etwas geändert.
Schon unter normalen Umständen große Störungen
des Lebens.
Wozu
wir in solchen Zeiten selten kommen oder uns nicht erlauben,
sind Momente der Ruhe und Stille, in denen wir zur Besinnung
kommen und uns daran erinnern, was/ wer eigentlich unser Fundament
ist. Ich möchte Sie dazu einladen, etwas ungewöhnliches
zu tun und zusammen mit mir eine Zeitlang still zu sein, einfach
nur dasitzen und still sein, die Gedanken laufen lassen, weil
Hoffnung besser aus der Stille heraus wächst als aus
dem Chaos der Eindrücke, Bilder und Geräusche. (Die
Kinder lade ich ein, auch still zu sein, und Gott darum zu
bitten, in unsere Mitte zu kommen.)
(Stille.
Silence.)
(Aus
Psalm 46 (nicht in Reihenfolge):)
“Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin. Der Herr
Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. Dennoch
soll die Stadt Gottes froh sein mit ihren Brünnlein,
da sie die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. Gott
ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben. Gott hilft
ihr früh am Morgen. Gott ist unsere Zuversicht und Stärke,
eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen
haben.”
Liebe
Schwestern und Brüder, es gibt auf der Welt Leiden, das
nur Leiden ist, das Menschen kaputt macht und aus dem nichts
anderes hervorwächst. Leiden, aus dem keine Hoffnung
ersteht. Das dürfen wir nicht leugnen, auch wenn wir
als Christen versuchen, im Glauben Hoffnung zu bewahren.
Es
gibt aber auch Leiden, durch das wir selber schon gegangen
sind und an dem wir gewachsen sind; Leid, das am Ende unsere
Kraft zu hoffen stärker gemacht hat, das unsere Schwachheit
in Stärke verwandelt hat. Einer der ersten Christen,
der diese Erfahrung schriftlich festgehalten hat, ist Paulus.
In einem Brief an die Gemeinde in Korinth zählt er eine
lange Liste auf von Dingen, die ihm zugestoßen sind:
(2. Korinther 11, 24-28):
“Von den Juden habe ich fünfmal erhalten vierzig
Geißelhiebe weniger einen; 25 ich bin dreimal mit Stöcken
geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch
erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen
Meer. 26 Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch
Flüsse, in Gefahr unter Räubern, in Gefahr unter
Juden, in Gefahr unter Heiden, in Gefahr in Städten,
in Gefahr in Wüsten, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr
unter falschen Brüdern; 27 in Mühe und Arbeit, in
viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost
und Blöße; 28 und außer all dem noch das,
was täglich auf mich einstürmt, und die Sorge für
alle Gemeinden.”
Das
alles ist Paulus zugestoßen in seiner Arbeit als Missionar.
Und all dies hat ihn eine weitere Erfahrung machen lassen,
die überraschenderweise viele von uns teilen:
Aber Gott hat mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen;
denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum,
(so Paulus weiter,) will ich mich am allerliebsten rühmen
meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne.
Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen,
in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi
willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark. (2. Korinther
12, 9 - 10)
Liebe Gemeinde, selbst, wenn es unserem Charakter nicht entsprechen
sollte, sich unserer Schwachheit zu rühmen, dann ist
uns aber doch diese Kraft Christi, die bei uns ist in der
Schwachheit, nicht unbekannt. Wir haben diese Woche schon
Hoffnung und Stärke unter uns gesehen, in dieser Stadt,
an der Golfküste, in Mississippi und Alabama, sogar mitten
in der größten Schwachheit, in Verzweiflung, in
Ohnmacht. In dem Augenblick, in dem wir die Schwachheit und
Ohnmacht der Evakuierten teilen, eines Familienmitgliedes,
eines Freundes oder Freundin, in dem Augenblick wächst
unter uns die Kraft Christi. Hoffnung beginnt zu keimen und
wirft Licht weit in die Dunkelheit, wo kein Licht ist. So
entwickeln wir langsam Stärke und Widerstandskraft, um
den Aufgaben entgegenzusehen, die uns bevorstehen. Stärke,
weil Gott verheissen hat, in der Schwachheit des Leibes Christi
da zu sein. Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin. Gott
ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen
Nöten, die uns getroffen haben.
Ich
habe diese Woche im Radio etwas gehört, das ich ein Manifest
der Hoffnung nennen möchte. Es kommt von Irvin Mayfield,
Trompetenspieler aus New Orleans und der offizielle Kulturbotschafter
der Stadt. In meiner Erinnerung geht es etwas so:
Ich
bin Trompeter und werde Trompeter bleiben. Wir werden zurückkehren
und aufbauen, was zerstört wurde. Die Städte und
Gemeinden an der Golfküste müssen Widerstandskraft
beweisen. Das ist jetzt unsere Aufgabe. Deswegen muss ich
wieder Trompete spielen, die Lehrer müssen zurückgehen
und unterrichten, die Kinder müssen zurückkommen
und ordentlich aufwachsen. Wir können es uns als Amerikaner
nicht leisten, uns verlassen und verloren vorzukommen. Unsere
Verfassung mag in Philadelphia geschrieben worden sein, aber
was die Musik angeht, so wurde die Verfassung der Vereinigten
Staaten in New Orleans geboren. Jazz ist die Verkörperung
der Demokratie in Musik. Jeder trägt sein Teil bei. Jazz
hat außerdem immer schon die Hoffnung verkörpert:
Es mag uns jetzt schlecht gehen, aber es wird besser werden.
In Krisen wie diesen werden Menschen gezwungen, sich selber
zu definieren, festzulegen, wer sie sind und wohin sie gehen.
Dazu sind jetzt alle herausgefordert, die von dem Hurricane
betroffen sind. Und, der Jazz bringt uns noch etwas anderes
bei: Wenn man dran ist mit seinem Part, muss man es mit Stil
machen. (Aus Erinnerung, NPR, 2. September 2005, morning show.)
So
lasst uns in die kommende Zeit gehen, liebe Gemeinde, und
das tun, was uns aufgetragen ist. Kommt immer wieder zurück
in Gottes Haus zur Stärkung durch Wort und Sakrament,
zum Zuspruch der Verheissung Gottes, der im Leib Christi gegenwärtig
ist. Und wenn wir unsere Arbeit tun und Hilfe leisten beim
Wiederaufbau, beim Trösten, beim Essenausteilen, Unterrichten,
Heilen und Organisieren, dann lasst uns an den Trompeter von
New Orleans denken:
Wenn wir unseren Part tun, dann mit Stil.
Amen.
Copyright
2005, Karin I. Liebster
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