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Gemeinde
für Deutschsprachige - German Language Ministry
Lesungen
und Predigt
Alttestamentliche
Lesung: Jeremia 31, 31-34
Siehe,
es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause
Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen,
nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern
schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland
zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob
ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll
der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen
will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz
in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen
mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner
den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne
den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide,
Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen
ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.
Epistellesung: Hebräer 5, 5-10
So
hat auch Christus sich nicht selbst die Ehre beigelegt, Hoherpriester
zu werden, sondern der, der zu ihm gesagt hat (Psalm 2,7):
»Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.«
Wie er auch an anderer Stelle spricht (Psalm 110,4): »Du
bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.«
Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und
Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht,
der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört
worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er
Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt.
Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam
sind, der Urheber des ewigen Heils geworden, genannt von Gott
ein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.
Evangelium: Johannes 12, 20-33
Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen
waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus,
der von Betsaida aus Galiläa war, und baten ihn und sprachen:
Herr, wir wollten Jesus gerne sehen. Philippus kommt und sagt
es Andreas, und Philippus und Andreas sagen's Jesus weiter.
Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen,
dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich,
ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt
und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt
es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird's verlieren;
und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's erhalten
zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach;
und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir
dienen wird, den wird mein Vater ehren. Jetzt ist meine Seele
betrübt. Und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus
dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen.
Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel:
Ich habe ihn verherrlicht und will ihn abermals verherrlichen.
Da sprach das Volk, das dabeistand und zuhörte: Es hat
gedonnert. Die andern sprachen: Ein Engel hat mit ihm geredet.
Jesus antwortete und sprach: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen
geschehen, sondern um euretwillen. Jetzt ergeht das Gericht
über diese Welt; nun wird der Fürst dieser Welt
ausgestoßen werden. Und ich, wenn ich erhöht werde
von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. Das sagte er
aber, um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde.
Predigt:
Gnade
sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem
Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe
Gemeinde,
bald
ist es soweit. Es dauert nicht mehr lang, und dann ist Ostern.
Wir müssen nicht mehr lang warten. Die Passionszeit ist
weit fortgeschritten, wir sind schon am fünften von sechs
Sonntagen in der Passionszeit. Sind Ihnen diese Begriffe alle
noch vertraut? Aschermittwoch, Passionszeit, Palmsonntag,
Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag?
Das
alles ist alt. Sehr alt. Unsere Vorfahren haben stärker
als die meisten von uns im Kirchenjahr gelebt. Für sie
war vieles klar: dass das Leben einen Zyklus hat, den alle
mehr oder weniger gemeinsam durchleben. Einen Zyklus, der
in Form des Kirchenjahres Gestalt gewonnen hat. Ein Teil dieses
Kirchenjahres ist die Passionszeit, in der wir uns im Moment
befinden.
Lassen
Sie mich zusammenfassen:
• Aschermittwoch ist der Tag, an dem die Passionszeit
beginnt. In Deutschland und anderswo findet davor die Fastnacht
statt. Dem Namen nach die Nacht, bevor das Fasten beginnt.
Fast-Nacht. Am Aschermittwoch bekommen viele Christinnen und
Christen ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet. Auch hier
in der Gemeinde hat das stattgefunden. Zur Erinnerung an die
Passionszeit.
• Die Passionszeit ist die Zeit, die dem Leiden Christi
gewidmet ist. Im Laufe der Jahrhunderte nach seinem Tod und
seiner Auferstehung ist sie 40 Tage lang geworden. Weil Jesus
laut Bibel 40 Tage in der Wüste war und weil Mose 40
Jahre mit dem Volk Israel durch die Wüste gezogen ist.
Das Leiden Christi, durch das er am Kreuz hindurchmusste,
bevor er starb. Viele Menschen fasten in dieser Zeit. Früher
wurde währendessen kein Fleisch gegessen und kein Alkohol
getrunken. Ich kenne einige, die anderes weglassen: Sie verzichten
auf Süßigkeiten oder Fernsehen.
• Der Palmsonntag ist der letzte Sonntag der Passionszeit
vor Ostern. Er dient dem Gedenken daran, wie Jesus nach Jerusalem
eingezogen ist. Jesus auf dem Eselsrücken, dem die Menge
am Straßenrand Palmzweige unter die Hufe gelegt hat.
Auch hier in der Gemeinde wird dieser Tag mit Palmzweigen
begangen.
• Der Gründonnerstag, auf Englisch Maundy Thursday,
hat mit der Farbe grün nichts zu tun. Grün kommt
von greinen, also sozusagen laut klagen. Maundy drückt
das klarer aus. Weil es an diesem Tag bald soweit ist, dass
Jesus ans Kreuz geschlagen wird.
• Karfreitag ist der Tag, an dem der Kreuzigung und
des Todes Jesu gedacht wird. Die Silbe ‘Kar’ kommt
vom Althochdeutschen ‘Chara’, das steht für
Trauern. Es ist der Trauer-Freitag.
• Ostersonntag, damit komme ich zum Ende dieser Aufzählung,
ist der Tag der Auferstehung des Herrn. An dem die Kirchen
an das leere Grab denken, dass die Jüngerinnen und Jünger
am Morgen fanden. Der Stein war weggerollt, das Grab leer.
Drin nur ein paar Leichentücher.
Jetzt
ist Passionszeit. Das ist auch eine Zeit des Wartens. Für
die, die fasten, darauf, endlich wieder das zu tun, worauf
sie verzichten. Für alle, die sich dessen bewusst sind,
darauf, dass endlich Ostern wird. Das Warten. Wozu ist das
gut?
Ich
glaube, es hilft. Sich zu vergewissern. Auf dem Weg auf dem
ich bin. Aus meiner Kindheit kenne ich Warten als etwas Unerträgliches.
Wann ist endlich Weihnachten? Ich weiß noch, wie ich
schon ab Sommer kaum darauf warten konnte, dass endlich Weihnachten
wird. Oder ich endlich wieder Geburtstag habe.
Heute ist Warten anders. Manchmal immer noch schwer. Ungeduldig
werde ich im Wartezimmer, im Stau oder bei Behörden für
Führerschein oder die Sozialversicherungsnummer. Da ist
Warten schrecklich.
Warten
ist aber nicht mehr schwer, wenn es ums Wenn es um etwas geht
wie Weihnachten, Geburtstag oder Ostern. Da ist die Fastenzeit,
in der etwas geht, was sonst nicht so leicht ist. Ich lebe
etwas bewusster. Mir fällt ein, dass diese sieben Wochen
etwas anders sind als die anderen Wochen im Jahr. Denn ich
weiß, dass Ostern kommt. Ostern hat eine andere Kategorie
bekommen. Ich sehe mich im Zusammenhang mit einem Geschehen,
dass schon so lange her ist. 2000 Jahre. Durch diesen Abschnitt
des Kirchenjahres fühle ich, dass das mit mir zu tun
hat.
Der heutige Predigttext spricht genau davon. Von der letzten
öffentlichen Rede Jesu auf seinem Weg in Jerusalem. Die
letzte öffentliche Rede vor dem letzten Abendmahl, bei
dem also mehr Leute als nur seine engsten Vertrauten dabei
sind. Wir haben es gehört: Einige Griechen wollten Jesus
sehen. Sie hatten vielleicht von ihm gehört. Das Wort
wird weiter gegeben bis zu Jesus selbst.
Die
Rede, zu der Jesus anhebt, kommt etwas seltsam daher. Das
liegt daran, dass dieser Abschnitt des Johannesevangeliums
sehr stark komponiert worden ist. Die Autoren haben Sätze
gehabt, die Jesus zugeschrieben werden - und wollten sie in
eine Rede Jesu packen. So spricht Jesus von Weizenkorn, das
in die Erde fällt und sterben muss, damit es viel Frucht
bringen kann.
Jesus
sagt an, was bevorsteht. Er erklärt, dass er sterben
wird - aber dass das nicht folgenlos bleiben wird. Er ist
wie das Weizenkorn, das Frucht bringt, nachdem es in die Erde
gefallen ist. Auf dem Halm steht später die Ähre,
in der viele neue Körner gewachsen sind. Neue Körner,
die ihrerseits neue Frucht hervorbringen können.
Wir
hier sind Frucht dieses einen Korns. Wir alle sind aus dem
einen Korn hervorgegangen, weil wir heute hier Kirche sind.
Die Griechen, die Jesus sehen wollten, sind dort erwähnt,
um das klarzumachen. Kurz nach Jesu Tod und Auferstehung stritten
sich die frühen Christinnen und Christen. Die einen waren
vorher Juden gewesen und glaubten, dass jeder Jude gewesen
sein muss, um Christ werden zu können. Die anderen waren
vorher aber anderen Glaubens gewesen, zum Beispiel Griechen.
Sie meinten, dass sich jeder zum Christ oder zur Christin
taufen lassen kann.
Die
Autoren des Johannesevangeliums wollten uns zeigen, dass alle
Christen sein können. Sie widmeten sich der Seite der
Griechen. Das war ein entscheidender Schritt der ersten Christen:
Dass am Ende alle Christen und Christinnen werden konnten.
Und daraus wuchs die Kirche. Nur deshalb konnte sie um die
ganze Welt wachsen. Und deshalb sind auch wir mit diesem Text
gemeint.
Das
ist es, was mir bewusst wird. Wir stehen in diesem großen
Zusammenhang, der auf das Weizenkorn Jesus selbst zurückgeht.
So wird das Warten nicht zu etwas Anstrengendem, sondern zu
etwas Heilsamem. Ich glaube, wir müssen dazu nicht auf
bestimmte Lebensmittel oder auf Gewohnheiten verzichten. Paulus
sagt einmal: ‘Alles ist mir erlaubt.’ Klar. Ich
habe auch noch nie gefastet. Aber vielleicht tue ich es irgendwann
mal. Damit es noch bewusster wird, das Warten.
Bewusster,
dass wir nicht für uns allein in dieser Welt leben. Die
Suche nach Erfolg oder nach Wohlstand brauchen nicht im Mittelpunkt
unseres Interesses zu stehen. Weil es Wichtigeres gibt im
Leben.
Vielleicht
ist das eine Aufgabe für die verbleibende Passionszeit?
Mal überlegen, was denn eigentlich wichtig ist.
Amen.
Und
der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft,
bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Copyright
2006, Peter Stockmann
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