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Gemeinde
für Deutschsprachige - German Language Ministry
Lesungen
und Predigt
Alttestamentliche
Lesung: Genesis 9, 8-17
Und Gott sagte zu Noah und seinen Söhnen mit ihm: Siehe,
ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen
und mit allem lebendigen Getier bei euch, an Vögeln,
an Vieh und an allen Tieren des Feldes bei euch, von allem,
was aus der Arche gegangen ist, was für Tiere es sind
auf Erden. Und ich richte meinen Bund so mit euch auf, dass
hinfort nicht mehr alles Fleisch verderbt werden soll durch
die Wasser der Sintflut und hinfort keine Sintflut mehr kommen
soll, die die Erde verderbe. Und Gott sprach: Das ist das
Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir
und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig: Meinen
Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen
sein des Bundes zwischen mir und der Erde. Und wenn es kommt,
dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll
man meinen Bogen sehen in den Wolken. Alsdann will ich gedenken
an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen
Getier unter allem Fleisch, dass hinfort keine Sintflut mehr
komme, die alles Fleisch verderbe. Darum soll mein Bogen in
den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen
Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem
Fleisch, das auf Erden ist. Und Gott sagte zu Noah: Das sei
das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen
mir und allem Fleisch auf Erden.
Epistellesung: 1.
Petrus 3, 18-22
Denn
auch Christus hat einmal für die Sünden gelitten,
der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott
führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig
gemacht nach dem Geist. In ihm ist er auch hingegangen und
hat gepredigt den Geistern im Gefängnis, die einst ungehorsam
waren, als Gott harrte und Geduld hatte zur Zeit Noahs, als
man die Arche baute, in der wenige, nämlich acht Seelen,
gerettet wurden durchs Wasser hindurch. Das ist ein Vorbild
der Taufe, die jetzt auch euch rettet. Denn in ihr wird nicht
der Schmutz vom Leib abgewaschen, sondern wir bitten Gott
um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi,
welcher ist zur Rechten Gottes, aufgefahren gen Himmel, und
es sind ihm untertan die Engel und die Gewaltigen und die
Mächte.
Evangelium: Markus 1, 9-15
Und es begab sich zu der Zeit, dass Jesus aus Nazareth in
Galiläa kam und ließ sich taufen von Johannes im
Jordan. Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er,
dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam
auf ihn. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein
lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen. 12 Und alsbald
trieb ihn der Geist in die Wüste; und er war in der Wüste
vierzig Tage und wurde versucht von dem Satan und war bei
den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm. Nachdem aber
Johannes gefangen gesetzt war, kam Jesus nach Galiläa
und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist
erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut
Buße und glaubt an das Evangelium!
Predigt:
Gnade
sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem
Herrn Jesus Christus. Amen.
Es
ist gut, Sünden zu bekennen. Es ist gut, dass die Passionszeit
angefangen hat, liebe Gemeinde.
Sünden bekennen. Was für eine Erleichterung.
Sagen können, was schlecht ist. Bekennen, was nicht gut
läuft. Eingestehen, was unterlassen wurde. Zugeben, was
immer noch einem nagt auch nach so vielen Jahren. Merken,
was für ein Gewicht auf den Schultern drückt, welcher
Stein auf dem Herzen liegt. Und all das nicht alleine im stillen
Kämmerlein oder in der psychotherapeutischen Praxis,
sondern hier, zusammen mit allen anderen. Ohne Scham, ohne
Angst, im Vertrauen, dass diese Gemeinschaft stark genug ist,
die Last unserer Bekenntnisse auszuhalten, nicht unter ihr
zu zerbrechen. Denn diese Gemeinde ist der Leib Christi, der
lebendige Leib Christi, der gekreuzigt wurde und auferstand,
der aus dem Wasser der Taufe geboren wurde und die Verheißung
des neuen Lebens verkörpert.
Leicht
kann es so aussehen, als ob die Passionszeit eine Zeit ist,
in der die Kirche ihren Gläubigen Schuldbewusstsein und
Selbstanklage eintrichtert, weil wir mit unseren Sünden
den Tod Jesu verschuldet haben. Dann ist der Karfreitag das
dunkle Ziel eines langen Weges, der bergab geht, begleitet
von dem immer lauter werdenden Donnergrollen eines wütenden
Gottes, der schließlich zwar seinen eigenen Sohn opfert,
um unsere Schuld zu sühnen, aber uns unsere Schuld noch
immer an passender Stelle auftischen kann und es auch tun
wird, so jedenfalls ist unsere Angst und Phantasie.
Die
Kirche hat dieses Verständnis der Passionszeit, dieses
Verständnis vom Zusammenhang von Jesu Leiden und unseren
Sünden, unterstützt, es selbst gelehrt und ausgenutzt.
Dann aber ist es nicht gut, wenn die Passionszeit beginnt,
dann ist es keine Erleichterung, Sünden zu bekennen,
all das, was nicht gut ist und schief läuft.
Viele
Menschen haben sich dem unrechten Zugriff der Kirche auf ihre
Seelen und dem Machtspiel der kirchlichen Autorität entzogen
und sind weggegangen. Weggegangen und dann alleingelassen
mit ihren Fragen, mit Schuld, mit den Verwerfungen des Lebens,
die einen umtreiben und fertigmachen.
Wer
klug ist, kann diese Dinge alle selber feststellen, die eigene
Situation formulieren, analysieren. Kann sich selber Krisenmanagement
beibringen, sich im Gespräch mit anderen oder in der
Therapie Verstehen und Deutung erarbeiten, von der Weltliteratur
lernen, in der Musik Trost finden, aber eines fehlt: die Vergebung,
die Loslösung, und ein Gegenüber, das die Vergebung
zuspricht und uns wieder neu in den Dienst des Lebens hineinstellt.
Zuspruch, der Akt des Sprechens des erlösenden Wortes
der Vergebung - darum geht es in der christlichen Kirche beim
Sündenbekennen.
Wenn
wir der Stimme der heiligen Schrift vertrauen, die wir heute
an diesem ersten Sonntag in der Passionszeit gehört haben,
dann stellt sich der Sinn dieser 40 Tage bis Ostern nicht
dar als erbarmungsloses Einhämmern von Schuld und Anklage.
Vielmehr zeigt uns die Schrift, dass die brutale Wahrheit
unserer eigenen Existenz und der Welt in dieser Zeit unter
dem besonders intensiven Zuspruch des Evangeliums steht.
40
Tage ist Jesus in der Wüste der Prüfung von Satan
und den wilden Tieren ausgesetzt. Und gleich danach verkündigt
Jesus die frohe Botschaft des Evangeliums und nichts als das.
Nach den 40 Tagen ist sein erstes Wort: “Die Zeit ist
erfüllt! Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Kehrt
um, vertraut der guten Botschaft.” – Wenn man
umkehrt auf dem Weg, sich umdreht, die Richtung ändert,
könnte es sein, dass man dem Zuspruch direkt in die Arme
läuft - so wie in der Deutschen Messe gesungen: Mit kindlichem
Vertrauen eil’ ich in Vaters Arme. Dem Zuspruch und
der Vergebung in die Arme gelaufen, so wie erzählt in
den Geschichten vom Reich Gottes, wie erfahrbar in Abendmahl,
in Taufe, Tauferinnerung und Beichte, – darum geht es
in dieser Zeit.
Dann
ist es doch gut, Sünden zu bekennen. Dann ist es eine
spürbare Erleichterung und Befreiung.
Dann können wir auch dem Chaos der Fluten in der Sintflutgeschichte
ins Auge sehen. Das Chaos des Regens ist ja unser eigenes
und das der Welt, aber wir sehen jetzt, dass wir diesem Gott,
der unser Gott ist, vertrauen können, weil er sogar in
seinem Zorn ein Zeichen der Hoffnung bewahrt und es obenauf
auf den Fluten als die Arche Noah tanzen lässt. Und schließlich
ergreift er die heilsame Initiative der Rettung, beendet den
Regen und macht einen neuen Bund mit der Menschheit, der verheißt,
dass es solche flächendeckende Vernichtung nicht mehr
geben soll.
Am Tag als der Wirbelsturm Rita sich über Houston entladen
sollte, bevor es richtig losging, da war hier auf dem Rice
Boulevard ein prächtiger Regenbogen zu sehen am gelbschwarzen
Himmel über dem Medical Center.
Die
Verheißung des neuen Bundes, der Zuspruch der Vergebung
macht Mut zum Leben, Mut zum Bekennen. Das geschieht in der
Passionszeit. Wir sind in das Wasser der Taufe untergetaucht,
aber wir sind auch aus dem Wasser der Taufe herausgehoben.
Wir sind in den Dienst des Lebens hineingestellt, und im Warten
auf Karfreitag und Ostern nähern wir uns Tag für
Tag dem Geheimnis des Glaubens und dem Geheimnis des Lebens.
Amen.
Copyright
2006, Karin Liebster
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